Libanon-Einsatz: Minister Darabos möchte Einsatz verlängern

Dass sich Österreich im Libanon engagiere, komme auch nicht von „ungefähr“, sondern sei Teil der Sicherheitsstrategie , erklärte Minister Darabos während eines Truppenbesuchs.

Naqoura - Das österreichische Bundesheer ist erst seit November an der UNO-Mission UNIFIL im Libanon beteiligt. Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) denkt aber schon jetzt über eine Verlängerung des erst begonnen Einsatzes nach. Er möchte diese Mission, die derzeit bis Ende des Jahres dauert, „durchaus verlängern“, sagte der Minister im Gespräch mit der APA Mittwochabend anlässlich seines Truppenbesuchs im Libanon.

Darabos ist seit Dienstag im Libanon. Am Beginn seiner dreitätigen Visite hatte er politische Gespräche mit dem libanesischen Premierminister Najib Mikati, dem libanesischen Außenminister Adnan Mansour und dem libanesischen Verteidigungsminister Fayez Ghosn geführt. Thema dieser Gespräche sei weniger die Lage im Nahen Osten im Allgemeinen als viel mehr die UNIFIL-Mission und das Engagement Österreichs gewesen, so Darabos. Österreich genieße in der Region einen hohen Stellenwert; durch seine historische Rolle und auch als neutraler Staat.

Seine politischen Gesprächspartner hätten sich mehrfach positiv geäußert. Die offizielle Regierung schätze und unterstütze die UNO-Mission, so Darabos. Er habe das Gefühl, dass die Regierung am Friedensprozess interessiert sein. Provokation aus Israel und aus dem Süden des Landes seien nicht im Interesse der Regierung, so Darabos.

Die jüngsten Angriffe auf italienische und französische Soldaten sind nach Ansicht des Ministers auch nicht das Werk der im Süden dominierenden Hisbollah, sondern von „Splittergruppen, die destabilisierend wirken wollen“, so Darabos. Der Ressortchef zeigte sich überzeugt, dass die UNIFIL einen guten Job in der Region mache und dem Auftrag, für Stabilität zwischen dem Libanon und Israel zu sorgen, voll nachkomme. Dass sich Österreich hier engagiere, komme auch nicht von „ungefähr“, sondern sei Teil der Sicherheitsstrategie mit den Schwerpunkten Nahost und Balkan. Durch den langjährigen Einsatz am Golan verfüge das Bundesheer über großes Know-how und viel Erfahrung, die man bei der neuen Mission im Libanon ausspielen könne.

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„Mission sehr herausfordernd“

Die neue Mission des Bundesheeres im Libanon sei „sehr herausfordernd“ und von der Aufgabe auch „gefährlicher“ als andere Einsätze, sagte Verteidigungsminister Norbert Darabos (S). Das Kontingent des Bundesheeres mit 160 Soldaten besteht aus Logistikern, Kraftfahrern, Mechanikern und Sanitätern. Ihre Aufgaben sind der Transport von Personal und Ausrüstung, das Bergen und Reparieren beschädigter UNIFIL-Fahrzeuge und die Versorgung der UN-Truppe mit Treibstoff.

Die Mission unterscheide sich von anderen auch dadurch, dass die Bedrohung nicht von außen, sondern „die Gefahren eher im inneren lauern“ durch radikale Splittergruppen. Darabos sei dieser Einsatz auch deswegen wichtig gewesen, weil Österreich damit wieder an einer neuen UNO-Mission teilnimmt.

Die Mission ist in der Tat nicht unheikel, da die Stabilität im Südlibanon sehr fragil ist und es zuletzt verstärkt Raketen abgeschossen werden und Minen gelegt werden. Darabos führt diese Aktivitäten aber nicht auf die Hisbollah, sondern auf Splittergruppen zurück. „Es ist schon sehr motivierend, wenn man bei einem solchen Besuch erlebt, wie sich das, was man über Monate plant, vorbereitet und anordnet, in der Praxis bewährt“, sagte der Einsatzchef des Bundesheeres, Generalleutnant Christian Segur-Cabanac.

Aufgabe der UNIFIL-Kräfte ist es, die Grenzregion zu Israel ruhig zu halten und die Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die Blauhelm-Soldaten führen dazu Patrouillen durch, betreiben Checkpoints und unterstützen die libanesischen Sicherheitskräfte und vermitteln auch zwischen den Konfliktparteien. Die Konfliktsituation im Südlibanon kann allerdings nicht separat gelöst werden, den sie hängt mit anderen Konflikten in der Region zusammen.

Teil des Besuchsprogramms von Minister Darabos im Libanon war auch eine Kranzniederlegung in der Gedenkstätte in Khiyam (Khiam). Dort wurden im Jahr 2006 wurden vier UNO-Beobachter durch einen israelischen Bombenangriff getötet. Einer davon war der 44-jährige österreichische Milizoffizier Major Hans Peter Lang aus der Steiermark. Nahe dem Beobachtungsposten befindet sich eine Gedenkstätte in der Nähe eines früheren Foltergefängnisses, das in all den Kriegsjahren von allen Konfliktparteien genutzt wurde, je nachdem wer gerade die Kontrolle dort hatte. Dort wurde nach dem tödlichen Angriff auf die UNO-Beobachter eine Denkmal für diese errichtet. (APA)


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