BlackBerry-Hersteller RIM ließ Amazon abblitzen

Von mehreren Unternehmen gibt es bereits Übernahme-Avancen. Das RIM-Direktorium will sein Probleme aber alleine lösen.

New York - Der BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) sucht als Einzelkämpfer den Ausweg aus seiner Dauer-Misere. Der auf dem Smartphone-Markt ins Hintertreffen geratene Konzern zeigte Kreisen zufolge Übernahme-Interessenten wie Amazon.com jüngst die kalte Schulter. Das US-Internet-Kaufhaus habe im Sommer eine Investmentbank damit beauftragt, bei RIM die Fühler auszustrecken, sagten mit der Sache vertraute Personen am Dienstag. Das Vorhaben sei aber nicht weit gekommen, ein formelles Angebot wurde nicht unterbreitet. Auch die Avancen anderer potenzieller Käufer habe die kanadische RIM angelehnt. Die schwer gebeutelten RIM-Aktien kletterten nach dem Bericht über die Sondierungen nachbörslich zehn Prozent in die Höhe.

Ob die Verhandlungen zwischen RIM und Amazon zu konkreten Preisgesprächen geführt hatten, blieb unklar. Unbekannt war zunächst auch, wer noch Interesse an RIM signalisiert hat. Sowohl RIM als auch Amazon lehnten eine Stellungnahme ab. Den Informationen zufolge wollen beide Unternehmen ihre bisherige Zusammenarbeit ausbauen. So stellt RIM bereits einigen BlackBerry-Nutzern das Amazon-Musikangebot zur Verfügung.

RIM, das mit seinem BlackBerry zunächst sehr erfolgreich war, hat den von Apple angeführten Smartphone-Trend verpasst. Eine Reihe von Pannen setzte dem Unternehmen weiter zu, so die verzögerte Einführung neuer Modelle und der schwache Absatz des Tablet-Computers PlayBook. Amazon gilt dagegen mit seinem neuen Tablet-PC Kindle Fire und seinem Digitalangebot an Büchern und Musik als ein vielversprechender Herausforderer für den iPad-Computer und das iTunes-Angebot von Apple. Amazon stellt keine Handys her.

Nach dem fast 13 Mrd. Dollar (9,94 Mrd. Euro) schweren Gebot des Internetkonzerns Google für den US-Handy-Pionier Motorola im Spätsommer haben Wall-Street-Banken Kreisen zufolge versucht, RIM mit anderen Handyherstellern zusammenzubringen. Darunter waren auch Samsung aus Südkorea und HTC aus Taiwan, wie mit der Situation vertraute Personen sagten. Eine von ihnen erklärte, auch Microsoft habe sich RIM angesehen. Die Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Der RIM-Vorstand will sich nach Angaben zweier Informanten darauf konzentrieren, mit der Entwicklung neuer Handys, der besseren Nutzung bestehender Angebote wie BlackBerry Messaging und mit Umstrukturierungen das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Der Unternehmenswert war in den vergangenen zwölf Monaten nach einer Serie schwacher Geschäftszahlen um mehr als Dreiviertel auf knapp sieben Mrd. Dollar gesunken. (APA/Reuters)


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