In Pakistan leben Journalisten besonders gefährlich

Die Gewalt gegen Journalisten hat in diesem Jahr weiter zugenommen. 66 Reporter wurden laut „Reporter ohne Grenzen“ während oder wegen ihrer Arbeit getötet – zehn von ihnen in Pakistan.

Wien – Sie haben ihr Leben gelassen, um Menschen über die weltweiten Geschehnisse zu informieren: Weltweit sind in diesem Jahr mindestens 66 Journalisten getötet worden, wie die Nichtregierungsorganisation (NGO) Reporter ohne Grenzen jetzt bekannt gab.

Auch die Zahl der Festnahmen und Übergriffe gegen Journalisten stieg demnach deutlich: 1044 Menschen wurden wegen ihrer journalistischen Tätigkeit festgenommen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Organisation vermerkte zudem fast 2000 tätliche Angriffe und Drohungen gegen Journalisten, sowie 71 Entführungen. Mehr als 70 Journalisten hätten aus ihrer Heimat fliehen müssen, berichtet die Organisation in Wien.

Pakistan als gefährlichstes Land

Die meisten getöteten Journalisten zählte die Organisation in Pakistan – nämlich zehn – gefolgt vom Irak mit sieben und Mexiko mit fünf getöteten Reportern. Auch der arabische Konfliktstaat Libyen zählt erstmals zur Gruppe der besonders gefährlichen Länder, ebenso Syrien.

Zudem veröffentlichte Reporter ohne Grenzen eine Liste der zehn gefährlichsten Orte für Medienschaffende. Auf dieser finden sich die syrischen Städte Homs, Damaskus und Deraa, der Tahrir-Platz in Kairo, der Distrikt Khuzdar in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan und der mexikanische Bundesstaat Veracruz.

Proteste ersticken und Berichte verhindern

2011 war in vielen Ländern ein Jahr der Demonstrationen und Kämpfe für Freiheit und Demokratie – Stichwort Arabischer Frühling. Auch in autoritären Staaten wie dem Sudan, Weißrussland und Uganda fanden Massenproteste statt.

Die Machthaber antworteten mit systematischer Gewalt. „Nicht nur die Proteste sollten im Keim erstickt, sondern auch Berichte darüber unterdrückt werden“, erklärt Michael Rediske, Vorstandssprecher der Organisation, die Hintergründe des Anstiegs an Repression gegen Medianerbeiter.

Gewalt gegen Internetaktivisten nimmt zu

Zusätzlich zu den etablierten Berichterstattern trifft die Gewalt auch zunehmend Blogger und Internet-Aktivisten. In diesem Jahr seien zumindest 199 „Cyberdissidenten“ festgenommen und fünf Online-Aktivisten getötet worden, berichtet Reporter ohne Grenzen.

In einigen Ländern haben Blogger eine zentrale Rolle bei der Berichterstattung übernommen – „vor allem, wenn konventionelle Medien stark zensiert oder internationale Journalisten nicht ins Land gelassen werden“, erklärt Rediske. Damit seien sie stärker ins Visiser von Behörden oder gewaltbereiten Gruppen geraten. Zugleich zensierten mehr Länder als je zuvor das Internet: Die Zahl habe sich von 62 auf 68 Staaten erhöht. (tt.com)


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