Hochschulmilliarde - Grüne: Töchterle spielt „falsches Spiel“

Grünewald: Minister nimmt Mittel erst weg und gibt sie dann nur teilweise wieder zurück - Gute Ansätze bei Hochschulplan, aber Mittel reichen nicht.

Wien - Einen Tag nach Präsentation der Eckpunkte des Hochschulplans sowie zusätzlicher Mittel für die Hochschulen zeigt sich der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald alles andere als „in Jubelstimmung“. Von einer fixierten Hochschulmilliarde, wie von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) angegeben, könne bei 750 Mio. Euro keine Rede sein, so Grünewald am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. „Damit diskreditiert Töchterle die uniko (Universitätenkonferenz, Anm.), die eindeutig gesagt hat, dass ihnen 300 Mio. Euro pro Jahr allein zur Erhaltung des Status Quo fehlen.“

Der Minister spiele ein „falsches Spiel“, bei dem er Unis erst Geld wegnehme und dann „nur teilweise“ wieder zurück gebe. Streichungen für Unis und Studenten im Rahmen der Sparbeschlüsse in Loipersdorf würden sich allein 2014 auf minus 336 Mio. Euro belaufen. Das nun angekündigte zusätzliche Budget sei zwar durchaus einem „Verhandlungserfolg“ geschuldet, jedoch nicht in der Größenordnung, „die die Qualität an den Universitäten sichert“. Im Hochschulplan ortet Grünewald einzelne gute Punkte, „aber die Mittel reichen nicht aus für das, was angekündigt ist“.

Weder die Steigerung der Grundlagenforschung noch die Erhöhung des Hochschulbudgets auf zwei Prozent des BIP bis 2020 gingen sich aus. Auch über die Angabe, die Akademikerquote bis 2020 von 19 auf 38 Prozent zu verdoppeln, zeigte sich Grünewald „erstaunt“. „Wie soll das mit Zugangsbeschränkungen und Kapazitätsberechnungen gehen“, so Grünewald. „Das ist in höchstem Maße unseriös.“ Der Studienplatzfinanzierung zeigte er sich zwar nicht vollständig abgeneigt („Ich war immer dafür, zu wissen, wie viel ein Studienplatz kostet.“), warnt aber vor den damit verbundenen Zugangsregelungen, mit denen „eine drastische Reduktion von Studienplätzen“ drohe. „Ich schätze, dass jeder vierte Studieninteressierte dann vor geschlossenen Türen stehen wird.“

Fehlende Ansätze der Effizienzsteigerung an den Universitäten, wie SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas am Donnerstag in einem Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“ kritisierte, sieht Grünewald nicht - im Gegenteil. „Ich weiß nicht, was Laura Rudas unter Effizienz versteht“, so Grünewald. Er vermisst stattdessen die Rücksichtnahme auf den wissenschaftlichen Nachwuchs im Hochschulplan - für ihn „eigentlich ein Affront“. In Österreich drohe eine Halbtagsforschung, „da fehlt es hinten und vorn“. (APA)


Kommentieren


Schlagworte