„Rammbock“-Einbrüche: Haftstrafen für Litauer bei Prozess

Dreieinhalb Jahre, zwei Jahre und 18 Monate Haft für drei Angeklagte.

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© TT / Thomas Böhm

Innsbruck - Wegen gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls mit der sogenannten „Rammbock“-Methode und wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sind am Donnerstag drei Litauer im Alter von 26, 28 und 23 Jahren am Landesgericht Innsbruck verurteilt worden. Der 26-Jährige Erstbeklagte erhielt dreieinhalb Jahre, die beiden Mitangeklagten 18 Monate beziehungsweise zwei Jahre unbedingte Haft. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig.

Der zu 18 Monaten verurteilte Zweitbeklagte nahm das Urteil an. Die beiden anderen Beschuldigten erklärten, in die Berufung gehen zu wollen. Staatsanwältin Birgit Unterguggenberger gab keine Erklärung ab.

Den Männern war vorgeworfen worden, als Teil einer europaweit agierenden litauischen Tätergruppe mehrere Blitzeinbrüche mittels Rammbockmethode in Elektromärkte in Salzburg, Wels, Innsbruck und in anderen Orten verübt zu haben. Die Einbrüche sollen zumindest bis November 2009 mit anderen teilweise bereits verurteilten Landsleuten begangen worden sein. Die Täter erbeuteten laut Staatsanwaltschaft jeweils weit über 50.000 Euro.

Richterin Nadja Obwieser erklärte in der Urteilsbegründung, der Schöffensenat habe „überhaupt keinen Zweifel“ an der Schuld der Angeklagten. Jeder der Beschuldigten sei sichtlich bemüht gewesen, nicht jemand anderen mit „hineinzureißen“. Der entlastenden Zeugenaussage eines bereits wegen derselben Delikte verurteilten Litauers schenkte der Schöffensenat keinen Glauben. Der Mann wollte sich vor Gericht plötzlich nicht mehr so recht an die Angeklagten erinnern, obwohl er sie in seinen Einvernahmen vor der Polizei belastet und offenbar auch Auskünfte über die Organisationsstruktur der kriminellen Vereinigung gegeben hatte. Es sei verständlich, dass dieser Zeuge keine belastenden Angaben vor den Angeklagten gemacht habe, da er ansonsten nach seiner Freilassung in Litauen mit Repressalien zu rechnen habe, meinte die Richterin.

Der 26-jährige Erstbeklagte hatte sich bereits zu Prozessbeginn Anfang Dezember vor dem Schöffensenat schuldig bekannt, seine beiden Mitangeklagten wiesen jedoch jede Schuld von sich. Der Zweitbeklagte, der nur des Verbrechens der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation beschuldigt wurde, gab sogar an, noch nie in Österreich gewesen zu sein. Alle drei Angeklagten sollen bereits in anderen europäischen Ländern wegen diverser Delikte, darunter auch „Blitzeinbrüche“, verurteilt worden sein.

Die Täter gingen laut Staatsanwaltschaft immer nach demselben Muster vor: Sie drangen mit Fahrzeugen gewaltsam in die Elektromärkte ein und schlugen mit Hämmern Vitrinen ein. Lediglich rund eineinhalb Minuten sollen die Blitzeinbrüche gedauert haben. Im Juli diesen Jahres wurden die drei Beschuldigten nach den belastenden Aussagen ihres Landsmannes in Untersuchungshaft genommen.

Der Zweitangeklagte trug während der Verhandlung wegen des Verdachts auf Tuberkulose eine Gesichtsschutzmaske. Als sein Verteidiger während der Vernehmung eines Zeugen zwecks Gegenüberstellung das Abnehmen der Maske beantragte, lehnte die Richterin dies kategorisch ab. Dies könne sie nicht verantworten, erklärte Nadja Obwieser. (APA)


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