Euro-Falschgeld: Eine Dekade ohne Boom

Auch zehn Jahre seit der Euro-Bargeld-Einführung mit 1. Jänner 2002 in damals zwölf Ländern ist von einem damals allenthalben befürchteten Falschgeld-Boom nichts zu spüren.

Wien, Den Haag - Rare „Blüten“: 800 Jahre alt müsste ein Mensch im Euro-Raum werden, um statistisch garantiert einmal in seinem Leben eine gefälschte Euro-Banknote in seiner Geldbörse zu finden. Das sagt Michael Rauschenbach, Leiter der Abteilung für Geld- und Kreditkartenfälschung bei der europäischen Polizeibehörde Europol, unter Berufung auf statistische Berechnungen. Rund 50.000 „Blüten“ werden monatlich aus dem Verkehr gezogen - eine verschwindend geringe Menge angesichts der in Umlauf befindlichen Bargeld-Menge: Im ersten Halbjahr 2011 waren es laut Europäischer Zentralbank durchschnittlich 13,8 Milliarden Banknoten.

Auch zehn Jahre seit der Euro-Bargeld-Einführung mit 1. Jänner 2002 in damals zwölf Ländern ist von einem damals allenthalben befürchteten Falschgeld-Boom nichts zu spüren. Trotz der größeren Attraktivität des Euro im Vergleich zu den früheren Nationalwährungen ist die Anzahl der nachgemachten Banknoten praktisch unverändert geblieben. Rund 50.000 Stück werden durchschnittlich pro Monat aus dem Verkehr gezogen, abgesehen von einem statistischen Ausreißer nach oben im Jahr 2009, für den selbst Experte Rauschenbach keine Erklärung hat.

In Österreich wurden laut der jüngsten verfügbaren Statistik, die sich auf das erste Halbjahr 2011 bezieht, 2.657 „Blüten“ entdeckt, um 45 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2010. In jenem Jahr wurde ein Rückgang von zehn Prozent registriert, wie die Nationalbank am 17. Jänner wissen ließ, drei Tage, ehe die Polizei von sieben Festnahmen und der Sicherstellung von Falschgeld im Nennwert von 200.000 Euro berichtete, noch ehe die Imitationen in Umlauf gebracht werden konnten. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BK) stammt der größte Teils des Falschgelds aus Südosteuropa, dem Raum Westbalkan und Italien.

„Die professionellen Fälscher waren in der Vergangenheit im Balkan-Raum konzentriert. In den vergangenen drei, vier Jahren hat es eine Verschiebung gegeben. Mehr als 50 Prozent des Falschgeldes kommt aus dem italienischen Raum“, sagte Rudolf Unterköfler vom BK der APA. „Es ist sicher so, dass sich die Mafia vermehrt mit Geldfälschung befasst.“ Darüber hinaus sitzen Euro-Fälscher auch in Südamerika - in Kolumbien hat die Polizei des Landes in Kooperation mit Europol mittlerweile mehrere Produktionsstätten ausgehoben und Falschgeld im Nennwert von mehreren Millionen Euro sichergestellt.

Großes Know-how und hoch spezialisiertes technisches Equipment samt entsprechenden Investitionen sind notwendig, „um einigermaßen vernünftige Banknoten herzustellen“, sagte Rauschenbach. Er ist so wie Unterköfler überzeugt, dass es die „perfekte Fälschung“ nicht gibt und selbst hochwertige Imitationen binnen fünf Sekunden erkennbar sind - selbst von interessierten Laien. „Blüten“-Produktion und Verteilung werden im Gegensatz zu früher von unterschiedlichen kriminellen Organisationen übernommen, wobei österreichische Täter bisher als Verteiler auf der untersten Ebene oder durch ihre überdurchschnittlich plumpe Herangehensweise beim Fälschen aufgefallen sind.

So ließ sich ein 15-Jähriger in Oberösterreich durch eine TV-Sendung über Banknotenproduktion dazu verleiten, mit Hilfe des Kopierers seiner Eltern seine eigenen Euro-Scheine herzustellen, von denen er ein paar unters Volk brachte. „Am Sonntag hat er gedruckt, am Mittwoch wurde er festgenommen“, gab Unterköfler die „Karriere“ des jugendlichen Geldfälschers wieder. 2008 hoben steirische Kriminalisten eine Münzfälscherwerkstatt aus und verhafteten vier Männer. Acht nachgemachte italienische 50-Cent-Münzen wurden sichergestellt. Die Produktion befand sich nämlich noch im Versuchsstadium, als die Polizei auftauchte. (APA)


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