WM-Gesetz: FIFA macht Druck, Brasilien schiebt weiterhin auf

Brasiliens Parlamentarier lassen sich viel Zeit bei der Debatte über das Rahmengesetz zur WM 2014. Das Projekt sollte längst beschlossen sein.

Sao Paulo - Die Nummer „2330/11“ hat es in sich. Hinter ihr verbirgt sich der umstrittene Entwurf des Rahmengesetzes für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Das „Lei Geral da Copa“ hat noch mehrere parlamentarische Hürden vor sich. Es geht um Geld, nationale Befindlichkeiten und um Prestige. Brasilien will sich vom Fußball-Weltverband FIFA nichts diktieren lassen. Die FIFA pocht dagegen als WM-Ausrichter auf die Einhaltung längst getroffener Absprachen. Die Uhr tickt, die Stimmung ist gereizt.

Der Entwurf wird seit Monaten in dem für das „Lei Geral“ eigens geschaffenen Sonderausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert. Die Textvorlage lieferte der Abgeordnete Vicente Cândido. Er gehört zur Arbeiterpartei (PT) von Präsidentin Dilma Rousseff. Cândido änderte mehrmals den Entwurf, der auch Regelungen zu Haftungsgarantien, zum Schutz von Marken mit WM-Logo und zur TV-Übertragung enthält.

Alkoholverbot soll bei WM aufgehoben werden

Zu den Hauptstreitpunkten gehört das in Brasilien geltende Alkoholverbot in Stadien. Das stört die FIFA, die bei ihrem exklusiven WM-Sponsor und Bierbrauer Anheuser-Busch InBev in der Pflicht steht, der sein „WM-Bier“ Budweiser verkaufen will.

Die FIFA weiß den neuen Sportminister Aldo Rebelo auf ihrer Seite. „Während eines Fußballspiels im Stadion sind (alkoholische) Getränke verboten und während einer Show von Madonna nicht“, wunderte sich der Politiker und mahnte nationale Regelungen an. Er zog den Vergleich zu anderen Großereignissen, wo es auch Sicherheitsrisiken gebe. „Aber niemand kann sich zum Beispiel Karneval ohne den Konsum alkoholischer Getränke vorstellen.“ Cândidos letzter Entwurf enthielt dann auch die Kompromisslinie: Alkohol Ja - aber nur bei WM-Spielen.

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Senioren-Regelung bleibt bestehen

Strittig war lange auch die Regelung für ermäßigte WM-Tickets für über 65-Jährige. Senioren („Idosos“) genießen in Brasilien zahlreiche Vergünstigungen. Sie werden an Bank- oder Postschaltern vorrangig bedient, dürfen kostenlos Bus fahren und eben: zum halben Preis ins Stadion. Dem stimmte dann auch die FIFA etwas zähneknirschend zu. Zudem soll es 300 000 „Volkstickets“ für etwa 50 Reais (20 Euro) geben unter anderen für Studenten, Sozialhilfeempfänger und - im Rahmen einer Kampagne - für Bürger, die Feuerwaffen abgeben.

Am FIFA-Sitz in Zürich ist man genervt, auch weil sich in den vergangenen Monaten unversehens ein harscher Ton einschlich, der sich gegen eine Bevormundung durch die FIFA richtet. „Brasilien muss damit aufhören, Sklave der FIFA zu sein. Die Souveränität des Landes muss respektiert werden“, sagte etwa der heutige Abgeordnete und Weltfußballer des Jahres 1994, Romário.

FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke wacht dagegen mit Argusaugen über die Einnahmen des Weltverbandes und hat keine schlechten Argumente. „Die WM bringt 86 Prozent unserer Einnahmen“, machte der Franzose kürzlich die Dimension klar. Er versteht das Sträuben und die Misstöne nicht. „Wir fordern nichts, was wir nicht auch von Deutschland (WM 2006) und Südafrika (2010) verlangt haben, noch worum wir Russland (2018) und Katar (2022) bitten werden.“

FIFA investiert 1,2 Milliarden Euro in WM

Der Topfunktionär erinnerte den WM-Gastgeber daran, dass sich die brasilianische Regierung bei der Vergabe 2007 bereiterklärt habe, die Bedingungen zu erfüllen. Die FIFA investiert nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden US-Dollar in die WM 2014, die in 12 Städten ausgetragen wird und zu der 18.000 Medienvertreter und mehr als drei Millionen Zuschauer in den Stadien erwartet werden. Die WM ist immer auch ein Riesengeschäft, ein Werbe- und Marketingevent der Superlative.

Deshalb dringt die FIFA auf die Verabschiedung des Rahmengesetzes. FIFA-Präsident Joseph Blatter will im Januar oder Februar nach Brasilien fliegen und dann mit Präsidentin Rousseff sprechen. Seine Hoffnungen, das Gesetz sei dann schon entschieden, bleiben unerfüllt. Geduld ist nötig. Der Ausschuss vertagte die Entscheidung diese Woche erneut und in Brasilien beginnt nun die mehrwöchige „Sommerpause“ bis Ende Januar. Dann muss der Ausschuss entscheiden, dann das Plenum, dann der Senat und dann die Präsidentin. Das kann dauern. (dpa)


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