ELGA-Chefin: Gesundheitsakte „kein zentraler Datenmoloch“

Angst um seine heiklen Gesundheitsdaten braucht aus der Sicht der obersten ELGA-Beauftragten niemand zu haben.

Wien - Österreichs oberste ELGA-Beauftragte Susanne Herbek hofft auf einen baldigen Regierungsbeschluss für die elektronische Gesundheitsakte. Sollte das Gesetz weiter auf sich warten lassen, drohe eine verzögerte Einführung, sagte sie im Gespräch mit der APA. Trotz der lautstarken Kritiker aus den Reihen der Ärzte zeigte sich Herbek von dem System überzeugt. Negative Mythen ließen sich leicht widerlegen.

Herbek, davor Spitälerdirektorin im Wiener Krankenanstaltenverbund, ist seit 2010 Geschäftsführerin der ELGA GmbH und überwacht im Auftrag von Bund, Ländern und Sozialversicherung die Errichtung und den Betrieb der zentralen Komponenten der künftigen elektronischen Akte. Laut Plan sollte ELGA 2015 verpflichtend für alle Kassenärzte, öffentliche Krankenhäuser und - in Form der E-Medikation - für Apotheken in Vollbetrieb gehen. Schon im Sommer 2013 soll das Internet-Portal für die Patienten zur Verfügung stehen, bei dem jeder bereits vor dem Start seinen Ausstieg aus ELGA bekanntgeben kann.

Verzögerungen bei der Umsetzung sind allerdings möglich. „Die Erwartung war, dass das Gesetz jetzt um den Jahreswechsel kommt“, so Herbek. „Je nachdem, wie lange es noch dauert, ob ein, zwei oder drei Monate, wird es sich um diesen Zeitraum dehnen.“ Einige ELGA-Komponeten sind bereits fertig, darunter der zentrale Patientenindex sowie der Index der Gesundheitsdiensteanbieter. Für alle weiteren Entwicklungen und Ausschreibungen müssen aber zunächst die gesetzlichen Spielregeln festgelegt werden.

Angst um seine heiklen Gesundheitsdaten braucht aus Herbeks Sicht niemand zu haben. „ELGA ist kein zentraler Datenmoloch, sondern ein Vernetzungssystem“, betonte sie. Gesundheitsdokumente, von denen viele schon heute elektronisch vorliegen, würden mit einem einheitlichen technischen Standard verknüpft. Eine zentrale Speicherung gebe es nicht, und die Weitergabe von Massendaten sei ein Mythos. „ELGA macht nur Einzelabfragen, das Dokument wird nur durchgereicht.“ Alles werde verschlüsselt, sämtliche Abfragen zur Missbrauchsbekämpfung mitprotokolliert.

Für die sich sträubenden niedergelassenen Ärzte sind im ELGA-Budget (130 Mio. Euro bis Ende 2017) für die Systemanbindung Fördergelder reserviert. „Das ist in der Ärztekammer auch bekannt“, so Herbek. Verhandlungen über konkrete Summen gebe es allerdings noch nicht. Insgesamt werde das Budget halten. „Ich sehe jetzt keinen Anlass, daran zu zweifeln“. Wo die von den Gegnern genannten höhere Summen herkämen, sei ihr schleierhaft.

Den Ärztekammer-Vorschlag, die Patientendaten lieber auf USB-Sticks oder der E-Card zu speichern, lehnt sie ab. „Diese Medien sind aus unserer Sicht für Gesundheitsdaten zu unsicherere Medien. Nichts ist leichter zu cracken als ein USB-Stick, er kann verloren gehen oder zerbrechen.“ Bei ELGA sollen dagegen per Gesetz bzw. Verordnung die jeweils höchsten Sicherheitsstandards gelten. Ob sie hundertprozentige Sicherheit garantieren könne? „Soweit das menschenmöglich technisch garantierbar ist, ist es unser Bestreben.“

Herbek zeigte sich überzeugt, dass ELGA trotz aller Hürden bald Realität wird. „Ich muss von Berufs wegen hier optimistisch und zuversichtlich sein, und ich denke, da habe ich guten Grund dazu“, sagte sie. (APA)


Kommentieren


Schlagworte