Gleiches Antrittsalter wird in Europa fast überall angestrebt

Was in Österreich zur Debatte steht, ist in Teilen Europas schon Usus: In vielen Ländern gilt bereits für beide Geschlechter ein einheitliches Pensionsalter.

Wien - Ein unterschiedliches Pensionsantrittsalter bei Männern und Frauen, wie es derzeit in Österreich lebhaft diskutiert wird, gibt es laut EU-Daten in einigen Ländern Europas. Eine Angleichung wird fast überall angestrebt und dies großteils früher als hierzulande. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter von Frauen liegt in Österreich bei 60 Jahren im Gegensatz zu jenem der Männer mit 65 Jahren. Ab dem Jahr 2024 ist eine stufenweise Angleichung vorgesehen, die 2033 abgeschlossen sein soll.

In vielen Ländern gilt bereits für beide Geschlechter ein einheitliches Pensionsalter. In Deutschland etwa wird die Regelaltersgrenze von 2012 an bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Spanien hat erst im Sommer ebenfalls 67 Jahre (derzeit 65) ab 2013 beschlossen, diese Altersgrenze gilt auch in Island. In Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Dänemark sowie Portugal beträgt das gesetzliche Antrittsalter 65 Jahre, in Lettland 62 Jahre.

Auch in Ungarn sind es 62, allerdings wird dieses seit 2010 schrittweise erhöht, bis 2022 das Rentenalter 65 Jahre für ab 1957 Geborene erreicht ist. Die Regelung in Frankreich sieht für beide Geschlechter ein Antrittsalter von 60 (bei Erfüllung des benötigten Versicherungszeitraums) bzw. 65 Jahren (bei Nicht-Erfüllung des benötigten Versicherungszeitraums) vor. Seit dem 1. Juli 2011 steigt das Rentenalter bis zu einem Alter von 65 bzw. 67 Jahren für ab 1956 Geborene. In Schweden wiederum gilt ein flexibles Rentenalter zwischen 61 und 67 Jahren.

In Estland dürfen Männer im Alter von 63 und Frauen im Alter von 61,5 Jahren in Pension gehen. Bis 2016 wird das Antrittsalter bei Frauen stufenweise auf 63 Jahre erhöht und damit an jenes der Männer angeglichen. Ab 2017 wird es weiter stufenweise angehoben, sodass bis 2026 ein Antrittsalter von 65 Jahren für beide Geschlechter erreicht wird.

In Griechenland gilt bei einem Versicherungsbeginn vor dem 1. Jänner 1993 für Männer 65 Jahre, für Frauen 61 Jahre. Bei einem Versicherungsbeginn nach diesem Datum gelten 65 Jahre für alle.

In Polen können Männer mit 65, Frauen mit 60 aus dem Erwerbsleben ausscheiden, allerdings gibt es Überlegungen, das Antrittsalter für beide auf 67 anzuheben. In Rumänien beträgt das Antrittsalter seit dem 1. Juli 2011 für Männer 64 Jahre und ein Monat. Ab dem 1. Jänner 2015 soll es auf 65 Jahre ansteigen. Bei Frauen beläuft es sich auf 59 Jahre und ein Monat und soll ab dem 1. Jänner 2030 auf 63 Jahre ansteigen. Italien stellt das Mindestalter für den Pensionsantritt auf Basis des jüngsten Sparplans bis 2018 für Frauen und Männer auf 66 Jahre gleich.

Das gesetzliche Rentenalter in Slowenien beträgt 61 Jahre für Frauen und 63 für Männer. In Großbritannien können sich wie in Österreich Männer mit 65 und Frauen mit 60 Jahren zur Ruhe setzen. Von 2010 bis 2020 wird das Antrittsalter von Frauen stufenweise auf 65 Jahre angehoben.

Lediglich ein Jahr Differenz verzeichnet die Schweiz, wo Männer mit 65 und Frauen mit 64 in den Ruhestand treten können. Unterschiede gibt es auch in Zypern: Zwar gilt sowohl für Männer als auch für Frauen ein Antrittsalter von 65 Jahren, Bergarbeiter dürfen sich allerdings bereits mit 63 in die Pension verabschieden.

Die Daten beruhen auf den aktuellsten Unterlagen des Mutual Information System on Social Protection/Social Security (MISSOC), Stand Juli 2011, Abfrage Dezember 2011. Das Informationssystem umfasst Daten aller EU-Mitgliedsstaaten sowie aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Bei den genannten Altersgrenzen handelt es sich um die gesetzlichen Regelungen, das tatsächliche Antrittsalter variiert davon allerdings - wie etwa in Österreich. In der Tat beläuft sich hier die Differenz zwischen Männern (58,9 Jahre) und Frauen (57,5) laut Angaben der OECD auf nur 1,4 Jahre und Frauen kommen dem gesetzlichen um einiges näher. Und was das tatsächliche Antrittsalter betrifft, liegt Österreich im OECD-Vergleich weit abgeschlagen. (APA)


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