Drama auf Rügen: Suche nach Zehnjähriger abgebrochen

Bei einem Weihnachtsspaziergang ist das Mädchen am Montagnachmittag auf Rügen von einem Kreideabbruch verschüttet worden. Die ganze Nacht hindurch suchten Einsatzkräfte im Schlamm nach dem Mädchen. Ein aufziehender Sturm erschwert die Rettung.

Kap Arkona - Die Suche nach dem seit Montag nach einem Kreideabsturz auf der Insel Rügen vermissten zehn Jahre alten Mädchen ist abgebrochen worden. Ein weiterer Einsatz der Rettungsteams sei wegen der stürmischen Witterung zu gefährlich, sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Lothar Großklaus, am Dienstagmittag. Es bestehe die Gefahr von weiteren Abbrüchen an der Steilküste. Die technischen Möglichkeiten seien ausgeschöpft.

Eine weitere Suche unter diesen Umständen mache wenig Sinn, sagte Großklaus. Die Suche soll seinen Angaben zufolge wieder aufgenommen werden, sollten sich beispielsweise durch Strandausspülungen neue Hinweise ergeben. Die Suche nach dem aus Perleberg stammenden Kind war am Morgen mit 160 Rettungskräften und acht Spürhunden zunächst fortgesetzt worden. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kam zum Einsatz.

18 Stunden erfolglose Suche

Ein Lebenszeichen gab es bis zum Vormittag jedoch nicht, sagte Einsatzleiter Daniel Hartlieb am Dienstagmorgen der Nachrichtenagentur dpa. „Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt. Aber nach 18 Stunden erfolgloser Suche ist die Aussicht, das Kind lebend zu finden, nur noch sehr gering“, sagte er am Vormittag.

Suchhunde hätten in der Nacht zum Dienstag an einer Stelle angeschlagen. Daraufhin sei dort gezielt gegraben worden, allerdings bislang ohne Erfolg. Bei der bis ins Wasser reichenden Suche gerieten die Helfer selbst in Gefahr, da weitere Teile der Steilküste am Kap Arkona im äußersten Norden Rügens abzubrechen drohten. „Es gibt neue Risse am Hang. Wir beobachten das genau und müssen die Suche gegebenenfalls abbrechen“, sagte Hartlieb.

Zudem erschwere das Wetter die Rettungsaktion. In der Nacht sei es auf der Insel stürmischer geworden, sagte Carina Schmidt, Sprecherin des Kreises Vorpommern-Rügen, am Dienstagmorgen. Der zunehmende Westwind drücke das Wasser an die Küste, wo zunächst mehr als 100 Rettungskräfte nach dem Mädchen suchten. „Man weiß auch nicht, wenn Regen kommt, ob sich neue Erdmassen vom Hang lösen“, sagte Schmidt. Dann müsse der Einsatzleiter entscheiden, ob die Suche abgebrochen werden müsse.

Mutter und Schwester verletzt

„Der Hang wird permanent kontrolliert“, sagte Hartlieb. Dort gebe es schon zwei große Risse, die beobachtet werden. „Im Moment gibt es aber keine Anzeichen, dass sie größer werden.“ Deshalb werde weiter Kreideschlamm von dem 5000 Kubikmeter großen Abbruch abgetragen. Die Einsatzkräfte gingen aber mittlerweile nur noch von einer Bergung und nicht mehr von einer Rettung des Mädchens aus.

Ein Kreideabbruch an Rügens Steilküste hatte das Kind am Montagnachmittag mit sich gerissen und verschüttet. Bei einem Strandspaziergang war eine Mutter mit ihren beiden Töchtern von dem Küstenabbruch erfasst worden, der sich aus dem Kreidefelsen gelöst hatte. Die Mutter wurde schwer verletzt, ihre 14 Jahre alte Tochter leicht. Beide kamen ins Krankenhaus. Eine vierköpfige Familie, die sich in der Nähe aufhielt, blieb unverletzt.

Keine Zufahrtsstraßen zum Strand

Die Polizei hatte nach ihrem Angaben gegen 15.30 Uhr von dem Abbruch erfahren, der Landkreis löste Großalarm aus. Schweres Gerät habe aber nicht eingesetzt werden können, weil es zu dem Strand keine Zufahrtstraßen gebe, sagte ein Sprecher vom Technischen Hilfswerk. Deshalb wurden neben einem Amphibienfahrzeug, auch Rettungskreuzer und Schiffe der Wasserschutz- und der Bundespolizei zur Unglücksstelle dirigiert.

Auf Deutschlands größter Insel Rügen kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen der Steilküste. Der verregnete Sommer hat die Gefahr nach Angaben von Geologen vergrößert. Im August dieses Jahres war es zum größten derartigen Vorfall seit neun Jahren gekommen: Ein 100 Meter langer und 70 Meter hoher Abschnitt eines Felsens stürzte ins Meer. (dpa)


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