Arabische Liga greift ein – Massendemonstrationen in Homs

50 Diplomaten und Experten der Arabischen Liga sind am Dienstag in der Protesthochburg Homs eingetroffen. In der Stadt demonstrierten 30.000 Menschen gegen Präsident Assad.

Homs –Erstmals seit Beginn der Revolte gegen die syrische Staatsführung unter Präsident Bashar al-Assad vor neun Monaten wird die Entwicklung von internationalen Beobachtern aus der Nähe verfolgt. Vertreter der Arabischen Liga reisten am Dienstag in die Protesthochburg Homs, wo zuvor nach Oppositionsangaben binnen 24 Stunden insgesamt 34 Menschen getötet worden waren. 30.000 Assad-Gegner demonstrierten im Stadtviertel Khalidiyeh mit einem Sitzstreik.

Tödliche Schüsse an der Universität Damaskus

In der Hauptstadt Damaskus ereignete sich während einer Prüfung an der Medizinischen Fakultät ein blutiger Zwischenfall, bei dem laut der offiziellen Nachrichtenagentur SANA mindestens ein Student getötet und vier weitere verletzt wurden. Ein Student feuerte demnach aus einer Militärpistole gezielt auf Kommilitonen.

Die Entsendung der Beobachter der Arabischen Liga nach Damaskus und Homs nährte die Hoffnung, das Blutvergießen mit rund 5000 Toten seit März könnte ein Ende finden. Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga sollten „dieser Tragödie ein Ende setzen“, forderte der Vorsitzende des oppositionellen syrischen „Nationalrates“, Burhan Ghalioun.

In einer angespannten Atmosphäre wurden die Beobachter in Homs von Gouverneur Ghassan Abdel Al empfangen. Der Leiter der Mission der Arabischen Liga, der sudanesische General und Darfur-Veteran Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi, bescheinigte den syrischen Behörden, sie zeigten sich „sehr kooperativ“.

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Sitzstreik in Homs

Während des Besuchs der Beobachter demonstrierten mehr als 30.000 Menschen gegen die Staatsführung. Das Sit-in fand im Stadtviertel Khalidiyeh im Zentrum von Homs statt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mitteilte. Homs liegt rund 160 Kilometer nördlich von Damaskus und ist mit 1,6 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Syriens.

Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur SANA legte eine „Terrorgruppe“ in der Nacht auf Dienstag mit einem Anschlag eine Gas-Pipeline zwischen Kafar Abd und Rastan in der Nähe von Homs lahm. Bei Angriffen der syrischen Sicherheitskräfte auf Homs und Orte in der Umgebung waren seit Montag nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 30 Menschen getötet worden. Kurz vor Ankunft der arabischen Beobachter zogen die Streitkräfte aus dem Stadtteil Baba Amro elf Panzer ab. Nach Angaben des „Nationalrats“ hatten die Streitkräfte bei Homs zuletzt 4000 Soldaten zusammengezogen.

Beratungen im Weltsicherheitsrat weiter blockiert

Eine Syrien-Resolution des Weltsicherheitsrates ist bisher nicht zustande gekommen. Der russische Chefdelegierte Witali Tschurkin hatte erklärt, westliche Ratsmitglieder hätten inakzeptable Veränderungen des russischen Entwurfs verlangt. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Portugal hätten mit ihren Textanhängen „alles nichtig gemacht, was bei uns stand“, sagte Tschurkin. Moskau und Peking haben vor jedem Versuch einer ausländischen Einmischung in Syrien gewarnt und den Regimegegnern nahegelegt, kein „libysches Szenario“ heraufzubeschwören. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte erklärt, Moskau sei „sehr besorgt“, dass in Syrien ein Dialogprozess durch „einige Kräfte“ erschwert werde, die sich um „ausländische Unterstützung“ bemühen würden. (tt.com/APA/dpa/AFP)


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