Machtkampf im Irak führt zum Zerfall der Regierung

Im irakischen Machtkampf dürften die jüngsten Schlichtungsversuche von CIA-Chef David Petraeus erfolglos geblieben zu sein. Der schiitisch-sunnitische Konflikt führt zum Zerfall der Koalitionsregierung von Premier Maliki, deren Bildung 2010 mehr als acht Monate gedauert hatte.

Die Gefolgschaft des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr fordert nun im Sinne Malikis und der pro-iranischen Kräfte die Auflösung des Parlaments. Vor einer Woche waren die letzten US-Truppen aus dem Irak abgezogen. Der schiitische Premier Maliki hatte daraufhin seinen sunnitischen Stellvertreter Saleh al-Mutlak, Chef der „Nationalen Dialog-Front“, aus dem Amt gedrängt.

Dann hatte ein Gericht in Bagdad Haftbefehl wegen angeblicher Terroraktivitäten gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi ausgestellt, der sich seither in den kurdischen Norden abgesetzt hat und von Staatspräsident Talabani geschützt wird. Hashemi unterstützt die syrischen Regimegegner, während Maliki wie der Iran dem syrischen Staatschef Assad die Stange hält.

Der radikal antiwestliche Geistliche Sadr, der sich derzeit in Najaf aufhält, hatte es Maliki ermöglicht, Premier zu bleiben. Aus den allgemeinen Wahlen im März 2010 war der überkonfessionelle Irakiya-Block von Ex-Premier Iyad Allawi als stärkste Einzelfraktion hervorgegangen. Doch verbündeten sich zwei religiöse Schiiten-Parteien - der pro-iranische „Oberste Islamische Rat“ (SIIC) von Ammar al-Hakim und die Sadr-Anhänger - mit Malikis schiitischer „Allianz für den Rechtsstaat“.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Eine dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Gruppe bekannte sich inzwischen zu der Anschlagsserie mit mehr als siebzig Todesopfern und 170 Verletzten vom Donnerstag in Bagdad. Die sunnitische Untergrundorganisation „Islamischer Staat Irak“ stellte in der Nacht auf Dienstag eine Erklärung ins Internet, in der es hieß, mit den Bagdad-Anschlägen sollte in Gefängnissen sitzenden Sunniten geholfen und der Hingerichteten gedacht werden.


Kommentieren


Schlagworte