2011 erstmals seit 1992 keine Hinrichtung in Japan

Erstmals seit fast 20 Jahren ist in Japan in diesem Jahr kein Todesurteil vollstreckt worden. Da die verschiedenen Justizminister, die das Amt im Verlauf des Jahres innehatten, keine entsprechenden Verordnungen unterfertigt hätten, werde es erstmals seit dem Jahr 1992 keine Hinrichtung eines zum Tode Verurteilten geben, berichtete die Zeitung „Yomiuri Shimbun“ am Mittwoch.

Bis zum Jahresende können keine Todesurteile mehr vollstreckt werden. Laut Gesetz müssen in Japan in letzter Instanz zum Tode Verurteilte binnen sechs Monaten nach dem letzten Richterspruch hingerichtet werden. Die letzte Entscheidung liegt beim Justizminister, der die Vollstreckung von Urteilen anordnen muss. Bis zum Jahr 1992 hatte es in Japan ein mehr als drei Jahre währendes faktisches Moratorium von Hinrichtungen gegeben, weil der damalige Justizminister gegen die Todesstrafe war. Seitdem wurde in jedem Jahr mindestens ein Verurteilter hingerichtet.

Die Justizminister der regierenden Demokratischen Partei DPJ, die dieses Jahr im Amt waren, sehen die Todesstrafe mit Skepsis. Menschenrechtsorganisationen fordern Japan immer wieder auf, die Todesstrafe abzuschaffen. Japan ist neben den USA das einzige Industrieland, das Kriminelle hinrichtet. In der japanischen Bevölkerung steht indes eine breite Mehrheit hinter der Todesstrafe. Derzeit befinden sich laut „Yomiuri“ in den Todeszellen des Landes 129 Verurteilte, 18 mehr als Ende 2010.

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