Paragleiter-Paar vor den Augen der Kinder von Lawine getötet

Die Lawinenopfer waren außerhalb des gesicherten Skigebiets unterwegs gewesen. Bei den Opfern handelt es sich um einen Piloten und dessen Lebensgefährtin, die ebenfalls Gleitschirm fliegt.

Bach – Es sollte ein Gleitschirmflug bei Prachtwetter auf der Jöchlspitze im Lechtal werden. Es endete in einer Tragödie. Mittwochnachmittag starben zwei Menschen auf dem Gemeindegebiet von Bach unter einem Schneebrett. Damit hat die Opferzahl des heurigen Winters jene des Vorjahrs bereits überschritten. Und das schon am Beginn der Wintersaison.

Gegen 14.30 Uhr war das Paar (50 und 44 Jahre) aus Baden-Württemberg oberhalb der Bergstation in den freien Skiraum aufgestiegen. Die Mitglieder einer Para­gleitschule in Bach wollten mit dem Gleitschirm den sonnigen, warmen Tag im Gebirge ausnutzen. Auch die Tochter der Frau (13) und der Sohn des Tandenpiloten (19) waren bei dem Ausflug dabei. Da die Windverhältnisse am ursprünglichen Startplatz schlecht waren, wechselte die Gruppe zum südlichen Bereich der Bergstation um dort in der Nähe eines Lawinendammes zum Tandemflug zu starten.

Auf rund 1800 Metern Seehöhe löste sich rund 100 Meter oberhalb der Gruppe plötzlich ein Schneebrett. Während sich die Kinder der beiden in Sicherheit bringen konnten, mussten sie mitansehen, wie die beiden Deutschen von der Lawine mitgerissen wurde. Das Paar wurde von den Schneemassen im Staubereich des Lawinendamms rund 3,5 Meter tief verschüttet.

Sofort wurde ein Großaufgebot der Einsatzkräfte (90 Mann, unter anderem drei Hubschrauber und Hundestaffeln) alarmiert. Nach intensiver Suche wurden die beiden Wintersportler unter einer drei Meter dicken Schneedecke gefunden. Für das Paar kam jede Hilfe zu spät. Die Tochter wurde vom Kriseninterventionsteam behandelt. Der Einsatz dauerte bis in die Abendstunden.

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Snowboarder mitgerissen

Mehr Glück hatte ein junger Deutscher am Pitztaler Gletscher. Der Snowboarder war mit seinen Freunden im freien Skiraum unterwegs, als sich ein 40 Meter breites Schneebrett löste und ihn 300 Meter weit mitriss. Es gelang dem Mann, seinen Airbag-Rucksack auszulösen und er kam im Bereich des Auslaufs der Lawine zum Stillstand. Er konnte sich selbstständig aus den Schneemassen befreien und wurde ins Krankenhaus geflogen.

Bereits am Dienstag wurden bei Lawinenabgängen in Serfaus und in Gschnitz vier Personen verschüttet. Ein Wintersportler soll weiterhin auf der Intensivstation liegen. Generell war die Lawinen­situation in Tirol in den vergangenen Tagen günstig. Dass es dennoch zu Abgängen kam, ist für Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst gut erklärbar: „Im Lechtal hatten wir es mit einer Gleitschneelawine zu tun. Die ist nicht vorhersehbar und hat einen anderen Auslösmechanismus.“ Dabei löst sich der Schnee im steilen Gelände vom Gras ab. Und: Der Schnee ist sehr schwer. Wenn Menschen komplett verschüttet werden, sinken dadurch die Überlebenschancen. „Die Verunglückten waren zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Probleme gibt es derzeit auch in steilen, schattigen Hängen über 2500 Metern. In einem solchen Gebiet löste sich auch die Lawine im Gschnitztal. Nachdem es im Vorjahr nur einen Lawinentoten gab (zehn bis 15 Opfer waren in den Vorjahren zu beklagen), war dies nicht das erste Unglück im heurigen Winter. Mitte Dezember wurde ein Mann im Außerfern verschüttet. Der Deutsche konnte reanimiert werden, erlag aber später den Verletzungen.

„Im Vorjahr war ein außergewöhnlicher Winter, den es in dieser Form noch nie gegeben hat“, bilanziert Nairz. In den nächsten Tagen bleibt die Situation wechselhaft und kritisch. (upf, mw)


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