Geiselnahme im chinesischen Uiguren-Gebiet blutig beendet

Die chinesische Polizei hat in der westlichen Provinz Xinjiang sieben Geiselnehmer erschossen.

Peking – Bei einer blutigen Geiselbefreiung sind in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang acht Menschen getötet und fünf weitere verwundet worden. Die Geiselnehmer waren offenbar Uiguren. Die Behörden sprachen von Terroristen; Exil-Uiguren machten die Unterdrückung ihrer muslimischen Volksgruppe durch den Staat für den Vorfall verantwortlich.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Donnerstag unter Berufung auf örtliche Behörden, „Terroristen“ hätten zwei Geiseln genommen. Bei einem anschließenden Schusswechsel seien am Mittwoch sieben der Entführer und ein Polizist ums Leben gekommen. Die beiden Geiseln seien befreit worden. Auslöser des Geiseldrama könne „religiöser Extremismus“ gewesen sein.

Es ist bereits der zweite blutige Zwischenfall im Süden der Provinz Xinjiang innerhalb eines halben Jahres. Am 18. Juli waren in Khotan bei einem Zusammenstoß von Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften offiziellen Angaben zufolge 14 Menschen getötet worden. Viele Uiguren fühlen sich von Han-chinesischen Zuwanderern in ihrer Heimat wirtschaftlich benachteiligt und diskriminiert.

Zum Vorfall am Mittwoch schrieb das offizielle Nachrichtenportal der Region tianshannet: „Eine Terrorgruppe nahm am 28. Dezember um 23.00 Uhr im Kreis Pishan im Süden von Xinjiang zwei Geiseln.“ Die Gruppe habe Widerstand gegen ihre Festnahme geleistet, wobei es zu einem Feuergefecht gekommen sei. „Die Polizei tötete sieben Terroristen auf der Stelle, schoss vier Terroristen an und machte vier Festnahmen“, heißt es in dem Bericht der Behörden. Die zwei Geiseln seien befreit worden.

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Xinhua schrieb, Auslöser des Geiseldrama könne „religiöser Extremismus“ gewesen sein. „Die Polizei berichtete von einer weiteren Geiselnahme in Pishan im Dezember, bei der Extremisten einen uigurischen Mann entführten und brutal ermordeten, weil er Alkohol getrunken hatte“, hieß es bei Xinhua.

Exil-Uiguren widersprechen der offiziellen Schilderung des Zwischenfalls. „Wir stehen im Kontakt mit Uiguren an Ort und Stelle. Solche Vorfälle sind das Ergebnis einer Welle von Festnahmen junger Uiguren durch chinesische Sicherheitskräfte“, sagte Dilxat Raxit, Sprecher des Weltkongresses der Uiguren in Stockholm. Seit dem Zwischenfall in Khotan vom 18. Juli hätten die chinesischen Behörden auch in Pishan eine „systematische Repression“ betrieben. „Wir Uiguren ertragen das nicht mehr“, sagte er. Seit der Schießerei am Mittwochabend seien erneut mehrere Menschen nach Razzien der Polizei „spurlos verschwunden“. Vielen Bewohnern von Pishan seien die Handys abgenommen worden, sagte Raxit unter Berufung auf örtliche Quellen.

Die ethnischen Spannung in Xinjiang zeigen neben den immer wiederkehrenden Unruhen in Tibet Chinas explosive Minderheitenprobleme. Im Juli 2009 waren bei gewalttätigen Zusammenstößen von Uiguren und Han-Chinesen in der Provinzhauptstadt Urumqi 197 Menschen ums Leben gekommen.

Seit sich Peking die Region Xinjiang 1955 als „Autonome Region“ einverleibte und dort Han-Chinesen ansiedelte, kämpfen Uiguren im ehemaligen Ost-Turkestan für ihre Rechte. Peking macht die Separatisten für mehrere hundert Anschläge mit mehr als 200 Toten seit 1990 verantwortlich. Vier Uiguren-Gruppen wurden zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

Das kleine Volk der Uiguren zählt etwa zehn Millionen Menschen und ist sprachlich und kulturell eng mit den Türken verwandt. Auch Menschenrechtsorganisationen werfen Peking vor, die Uiguren zu unterdrücken. Es gebe Massenverhaftungen, Folterungen und Todesurteile. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden nach Angaben von Amnesty International mehr als 3000 Uiguren verhaftet und mehr als 200 hingerichtet. Allein nach den gewaltsamen Unruhen vom Juli 2009 gab es mehr als 400 Prozesse gegen Uiguren wegen „Anstiftung zum Separatismus“ oder „Gefährdung der nationalen Sicherheit“. Nur in wenigen Fällen wurden die Verurteilungen zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen offiziell bekanntgemacht. (APA/dpa)


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