Kim Jong-un zum „obersten Führer“ Nordkoreas gekürt

Die 13-tägige offizielle Trauerperiode für Kim Jong-il wurde am Donnerstag mit drei Schweigeminuten und 20 Salutschüssen beendet.

Seoul/Pjöngjang – Das kommunistische Regime in Nordkorea hat am Ende der Staatstrauer für Diktator Kim Jong-il dessen Sohn zum neuen Machthaber ausgerufen. „Der geachtete Genosse Kim Jong-un ist der oberste Führer unserer Partei, des Militärs und des Volks“, erklärte am Donnerstag das nominelle Staatsoberhaupt des kommunistischen Landes, Kim Yong-nam, vor Zehntausenden von Menschen auf einem Platz im Zentrum von Pjöngjang.

Keine Angaben zu politischen Zielen

Der als militärisch wie politisch unerfahren geltende Sohn nahm zwar an der Gedenkfeier für den Diktator teil, wie im Staatsfernsehen zu sehen war. Doch äußerte sich der noch nicht einmal 30-Jährige nicht selbst zu seinen Zielen.

Wann Kim Jong-un auch formal oberster Machthaber des Landes wird, war zunächst unklar. Dazu müsste er nach der Verfassung wie sein Vater Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission werden. Beobachter spekulieren, dass dies bei der Frühjahrssitzung der Obersten Volksversammlung (Parlament) in Pjöngjang geschehen könnte.

Die 13-tägige offizielle Trauerperiode für den vor knapp zwei Wochen gestorbenen Kim Jong-il endete am Donnerstag mit einem dreiminütigen Schweigen der Menge, darunter zahllose Soldaten, sowie 20 Salutschüssen. Im ganzen Land ließen die Schiffe und Züge Sirenen und Signalhörner ertönen.

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„Ideen, Charakter und Mut seines Vaters“

Kim Jong-un übernehme die Ideen, den Charakter und den Mut seines Vaters, sagte Kim Yong-nam. Nordkorea wolle unter Kim Jong-un als General und obersten Führer eine „blühende sozialistische Nation“ aufbauen. In einer Ansprache bekräftigte der Militärvertreter Kim Jong-gak, dass die Streitkräfte dem neuen Machthaber die Treue halten werden. Auch die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete Kim Jong-un als „obersten Führer der Partei, des Staates und der Armee“.

Die 1,2 Millionen Mann starke Volksarmee ist neben der Arbeiterpartei ein wichtiger Machtfaktor in dem weitgehend abgeschotteten Staat. Nach dem Tod von Kim Jong-il hieß es in den Staatsmedien, Nordkorea werde an der - in der Verfassung festgeschriebenen - Militär-Zuerst-Politik festhalten, die der Armee den Vorrang einräumt.

Bei der zentralen Gedenkfeier auf dem nach dem Großvater und „Ewigen Präsidenten“ benannten Kim-Il-sung-Platz überblickte Kim Jong-un an der Seite ranghoher Militärs und Parteifunktionäre von einem Balkon aus die Menge. Dabei waren unter anderen Armeechef Ri Yong-ho und Kim Jong-uns einflussreicher Onkel Jang Song-thaek (Sung-taek). Beiden wird eine wesentliche Rolle für Kim Jong-uns Aufstieg zugesprochen. Jang gilt schon seit längerem als Graue Eminenz des Regimes.

Schrittweise Vorbereitung auf Nachfolge

Kim Jong-il hatte seinen jüngsten Sohn schrittweise auf die Nachfolge vorbereitet. Der Diktator, der das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regierte, starb nach offizieller Darstellung am 17. Dezember infolge eines Herzinfarkts. Unter seiner Herrschaft sind Hunderttausende Nordkoreaner verhungert.

Am Mittwoch nahm Nordkorea mit einer pompös inszenierten öffentlichen Beisetzungsfeier Abschied von Kim. Der Sarg mit seinem Leichnam wurde an Zehntausenden teils hemmungslos weinenden Menschen vorbei in einem Autokorso durch Pjöngjang und zurück zum Kumsusan-Mausoleum geführt.

(APA/dpa)


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