20 Jahre Probeführerschein: Senkung der „Anfängerunfälle“

Die Probeführerschein-Idee kam ursprünglich aus Skandinavien, wo Überlegungen angestellt wurden, wie man den ehemals überproportionalen Anteil von jungen Führerscheinbesitzern unter den Unfalllenkern reduzieren könnte.

Wien – Eine Maßnahme, die sich in Sachen Verkehrssicherheit bewährt hat: der Probeführerschein. Vor 20 Jahren, am 1. Jänner 1992 - wurde diese Maßnahme realisiert. „Sie hat die Zahl der Verkehrsunfälle von jungen Führerscheinbesitzern um rund ein Drittel reduziert“, sagte Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), jetzt in einer Bilanz gegenüber der APA. Die Forderung: „Man müsste die Maßnahme auf vier Jahre ausdehnen.“ Dann hätte man die gesamte „Anfängerzeit“ von Führerscheinbesitzern im Griff.

Die Probeführerschein-Idee kam ursprünglich aus Skandinavien, wo Überlegungen angestellt wurden, wie man den ehemals überproportionalen Anteil von jungen Führerscheinbesitzern unter den Unfalllenkern reduzieren könnte. Mit der Einführung der Maßnahme Anfang 1992 auch in Österreich ist das offenbar voll gelungen. Kaltenegger: „Wir haben das schon 1997 in einer Fünf-Jahres-Bilanz belegen können. Gemeinsam mit dem L17-Führerschein und der 2. Ausbildungsphase ab 1994 war der Probeführerschein die erste Maßnahme, welche die Unfälle mit Personenschaden unter den jüngeren Lenkern zwischen 18 und 24 Jahren deutlich senkte.“ Durch die Frist von zwei Jahren (80.000 Führerschein-Neulinge pro Jahr) dürften sich derzeit rund 200.000 Verkehrsteilnehmer in Österreich im Rahmen dieser Regelung auf den Straßen „bewegen“.

Der Effekt zeige sich anhaltend. Mehr noch, was die aktuelle Verkehrsunfallstatistik des Jahres 2011 angeht, so Kaltenegger: „Der Anteil der Unfalllenker im mittleren Alter über 40 steigt an, während die Unfallhäufigkeit unter den jüngeren weiterhin sinkt.“

Die wichtigsten Regelungen zum Probeführerschein: Wer innerhalb der zweijährigen Probezeit einen schweren Verstoß gegen die Verkehrsvorschriften begeht, muss innerhalb einer Frist von zwei Monaten der Aufforderung zur Nachschulung nachkommen. Wird der ersten Aufforderung nicht Folge geleistet, so wird der Probeführerschein für drei Monate entzogen, und es folgt eine abermalige Aufforderung zur Nachschulung. Kommt der Besitzer der Lenkerberechtigung auch dieser nicht nach, kann sich der Vorgang bis zur Einziehung des Führerscheins wiederholen.

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Als schwere Verstöße gegen die Verkehrsvorschriften gelten: ~ - Verschuldete Unfälle mit Personenschaden - Verstöße gegen 0,1 Promille-Regelung (bedeutet in der Praxis ein Alkoholverbot für Fahranfänger) - Verkehrsdelikte wie - Überfahren einer roten oder rotgelben Ampel - Vorrangverletzung - Fahren gegen die Einbahnstraße - Fahrerflucht - Nichtanhalten nach einem Verkehrsunfall - Fahren gegen die vorgesehene Richtung auf Autobahnen

(„Geisterfahrer“) - Nichteinhalten eines Überholverbotes bzw. Überholen unter

gefährlichen Umständen - Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 20 km/h im

Ortsgebiet bzw. mehr als 40 km/h auf Freilandstraßen - Strafdelikte unter Verwendung eines Kraftfahrzeugs ~

Eine etwaige Nachschulung umfasst 15 Stunden. Das sind zwölf Stunden „theoretisch“ mit einem Psychologen und drei Stunden Praxis: Fahrstunden mit Fahrlehrer und Psychologen. Was man verbessern könnte, so Kaltenegger: „In den Ländern, wo das besonders gut funktioniert, dauert die Probeführerschein-Phase vier Jahre. Das wäre die Forderung für die Zukunft.“ Erst mit einer solchen Verlängerung hätte man das „Anfängerrisiko“ und die noch immer erhöhte Gefährdung bei durchaus bereits vorhandener Routine wirklich im Griff.

Schon in der ersten Bilanz nach fünf Jahren (1997) zeigte sich, dass 90 Prozent der Probeführerscheinbesitzer mit Nachschulungsgebot Männer waren. Alkohol und Geschwindigkeitsübertretungen gelten bei ihnen als besondere Risiken. Es muss ja nicht gleich so sein wie bei einem Kärntner Monteur, der als Probeführerscheinbesitzer Ende August 2006 auf der Tauernautobahn im Bezirk Spittal/Drau mit 200 Stundenkilometern - statt der erlaubten 100 - geblitzt worden ist. (APA)


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