Wifo: Kaufkraft in Österreich langfristig stark gestiegen

In den letzten drei Jahrzehnten ist der Arbeitsaufwand, den wir für den Erwerb von Kleidung, technischen Geräten oder Nahrungsmitteln leisten müssen, stark gesunken.

Wien – Dass ständig alles teurer wird, ist eine Binsenweisheit - fürs Wohnen und für Energie müssen wir immer tiefer in die Tasche greifen, Benzin und Diesel verzeichnen immer neue Preisrekorde an den Tankstellen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Es ist nicht wahr. In den letzten drei Jahrzehnten ist der Arbeitsaufwand, den wir für den Erwerb von Kleidung, technischen Geräten oder Nahrungsmitteln leisten müssen, stark gesunken, wie aus Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervorgeht.

Zwar sind die Geldbeträge, die wir für diese Güter hinblättern müssen, deutlich höher als früher, dafür ist dieses Geld auch viel weniger wert und wir verdienen mehr davon. So musste etwa ein Industriearbeiter 1980 für sein Neujahrsschnitzel noch deutlich länger arbeiten als heute: Der Aufwand für ein Kilogramm Schweinsschnitzel hat sich von 1 Stunde und 22 Minuten nahezu halbiert auf 42 Minuten. Für einen Liter Superbenzin verringerte sich der Aufwand seit 1980 von 7,6 auf 5,8 Minuten. Dies entspricht ungefähr dem Gegenwert der Arbeit von Ende 1986. Superbenzin war 2011 somit etwa „gleich viel wert“ wie vor 25 Jahren - dazu kommt noch, dass moderne Autos deutlich weniger Treibstoff verbrauchen als damals.

Deutlich teurer geworden sind hingegen einige Dienstleistungen, deren wichtigste Kostenkomponenten Arbeitskosten sind. Um eine Installateursstunde zu bezahlen musste ein Industriearbeiter im Jahr 1980 etwa 4 3/4 Stunden arbeiten, heute sind über 6 1/2 Stunden dafür erforderlich. Diese Divergenz sei in erster Linie auf den Anstieg der Belastung mit Lohnsteuern und Sozialabgaben von Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie der Gewinnaufschläge zurückzuführen, die in den Nettolöhnen der Industriearbeiter definitionsgemäß nicht enthalten seien, so die Erklärung der Wifo-Ökonomen. Nur für wenige Dienstleistungen wie etwa Privatzimmervermietung oder Wohnungsreinigung blieb der Aufwand annähernd gleich.

Tatsächlich gesunken ist die Kaufkraft im abgelaufenen Jahr durch den kräftigen Verbraucherpreisauftrieb. Für die gleiche Menge von Lebensmitteln musste man 2011 fast durchwegs etwas länger arbeiten als 2010, während der langjährige Trend der laufenden Verringerung des Aufwands für langlebige Konsumgüter anhielt. (APA)

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