Obama-Bezwinger verzweifelt gesucht

Das Vorgeplänkel ist vorbei, die Republikaner beginnen ihren Kampf um die US-Präsidentschaft. In einem fünf Monate langen Vorwahlmarathon suchen sie den perfekten Herausforderer von Barack Obama. Das könnte mangels Favoriten schiefgehen. Rettet sie am Ende nur eine Sensation?

Washington – Die Widersacher von Barack Obama lassen Zweifel nicht zu: Am 20. Januar 2013 wird einer von ihnen, ein Republikaner, auf den Stufen des Kapitols in Washington den Amtseid als US-Präsident ablegen.

Fast ein Wunder wäre es, ließen die Wähler den Demokraten trotz „der schrecklich schwachen Konjunktur, einer massiv unpopulären Gesundheitsreform und des obszön hohen Staatsdefizits“ im Weißen Haus, frohlockt das neo-konservative Magazin „The Weekly Standard“. Für einen klaren Sieg müssten die Republikaner nur einen „einigermaßen attraktiven“ Gegenkandidaten aufstellen.

Doch genau diese Bedingung, die Suche nach einem annähernd akzeptablen Bewerber, bereitet der Oppositionspartei gut zehn Monate vor der Präsidentenwahl gewaltige Kopfschmerzen.

Startschuss in Iowa

In wenigen Tagen beginnen im Bundesstaat Iowa die republikanischen Vorwahlen, die Primaries - und bei den Republikanern macht sich Panik breit, am Ende dieses fünf Monate langen Vorwahlmarathons nur mit einem Verlegenheitskandidaten dazustehen. Einem, der auf den letzten Metern den sicher geglaubten Erfolg gegen den strauchelnden Amtsinhaber Obama noch verspielt.

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Grund der Sorge: Kein Bewerber konnte die „Grand Old Party“, geschweige das Wahlvolk, bisher in Begeisterung versetzen. Mitt Romney zum Beispiel hält sich zwar in Umfragen seit Monaten weit oben im Bewerberfeld, für die Spitze aber reicht es die meiste Zeit nicht.

Vernichtende Kritiken

Der Ex-Gouverneur von Massachussetts sei in seiner Partei „nicht inspirierend für die Moderaten und unglaubwürdig für die Konservativen“, urteilte das Magazin „Time“ vernichtend über den 64-Jährigen. Die Basis halte ihn für elitär - „zu reich, zu glatt“.

Die anderen Kandidaten müssen sich ähnlich harte Kritiken anhören. Mit-Favorit Newt Gingrich ist für den republikaner-nahen „Washington Post“-Kolumnisten George Will ein Mann von gestern, weil er seit 14 Jahren kein öffentliches Amt bekleidet, sich nichtmal einer Wahl gestellt hat. Die Zeitschrift „The Economist» nennt ihn zudem einen „ernsten Serien-Fremdgeher“. Er blicke auf mehr Frauen-Eskapaden zurück, als es einer konservativen Partei jemals lieb sein dürfe.

Auch anderen Bewerber wie Ron Paul (zu extrem), Rick Perry (zu populistsch), Michele Bachmann (zu grell), Rick Santorum (nicht grell genug) oder Jon Huntsman (zu harmlos) haben noch schlechtere Aussichten. Müsste einer von ihnen schon heute gegen Obama antreten, hätten sie laut Meinungsforschern keine Chance.

Und das, obwohl die Mehrheit des Volkes die Politik des Demokraten ablehnt. Die Enttäuschung über den Präsidenten mindere nicht die tiefe Skepsis über seine Herausforderer, fand die ultra-konservative Wahlkampf-Organisation American Crossroads in einer Studie heraus.

Millionenschwere Kampagnen

Bis zur Kandidatenkür auf dem Republikaner-Parteitag Ende August wartet auf die Bewerber somit ein harter, unklarer Weg. Schon für die ersten Abstimmungen in Iowa am 3. Januar und in New Hampshire eine Woche danach kämpfen sie mit millionenschweren TV-Spots und zahllosen Reden in Dorfkneipen und Gemeindesälen erbittert um jeden Wähler. Dabei hat ein Abschneiden dort eher symbolischen Wert, gibt es doch gerade mal 40 der US-weit fast 2300 Deligiertenstimmen zu gewinnen.

Die Hoffnung der Bewerber ist aber, sich gleich zu Beginn des Rennens klar von dem Rest des Feldes abzusetzen. Das könnte zu einem rasanten Siegeszug führen. Viele Experten jedoch sagen eher einen zähen Viererkampf zwischen Romney, Gingrich, Paul und Perry bis ganz zum Schluss voraus.

Überraschungswahl möglich

Bei einem knappen Endergebnis könne es sogar erstmals seit einem halben Jahrhundert bei dem Nominierungsparteitag zur Kampfabstimmung mit einem sensationellen Ergebnis kommen.

Nicht nur der Publizist Conrad Black glaubt, der wahre Kandidat werde erst dort auf der Bildfläche erscheinen - ein eloquenter Politiker wie Jeb Bush etwa. Der jüngere Bruder des ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Ex-Gouverneur von Florida gilt als Hoffnungsträger seiner Partei. Eine Überraschungswahl sei bei den „entmutigten und geteilten“ Republikanern wahrscheinlicher als je zuvor in den letzten 60 Jahren, meint der Buchautor Michael Medved.

Doch nicht jeder Republikaner misst der Kandidatensuche so viel Bedeutung bei. Egal wer, hauptsache irgendjemand vertreibt Obama am Ende aus Washington. „Das Präsidentenrennen ist wie Kraut und Rüben, aber aus dem Prozess wird ein glaubhafter Kandidat herauskommen. Er wird in einem Jahr den Amtseid schwören“, versichert der Verleger Steve Forbes seinen Parteigenossen. Zweifel sind nicht zugelassen. (dpa)


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