Nach Hawelka-Ableben - Im Cafe herrscht Trauer

Im Cafe Hawelka in der Wiener Dorotheergasse herrscht - trotz Alltagsroutine - Trauer um den legendären Kaffeesieder Hawelka, der am gestrigen Donnerstag im Alter von 100 Jahren verstorben ist.

Wien – Auf den ersten Blick herrscht am Freitagvormittag normaler Betrieb im Wiener Cafe Hawelka. Bloß der Stammplatz seines Gründers ist verwaist. Auf dem Tisch unweit der Theke, wo Leopold Hawelka fast bis zuletzt täglich seine Melange mit drei Stück Zucker getrunken hat, steht auch heute das „Reserviert“-Schild. Im bekannten Lokal in der Dorotheergasse herrscht - trotz Alltagsroutine - Trauer um den legendären Kaffeesieder Hawelka, der am gestrigen Donnerstag im Alter von 100 Jahren verstorben ist. „Die Tränendrüse drückt“, sagt Sohn Günter im APA-Gespräch.

So gut wie bis zum Schluss kam das Wiener Cafetier-Original täglich in sein nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit seiner Frau Josefine gegründetes Hawelka, das sich in den 1960er und 1970er Jahren zum verlängerten Wohnzimmer der heimischen Künstlerboheme entwickeln sollte. „Es war ein Leben für das Kaffeehaus“, resümiert Günter Hawelka. Sein Vater sei immer mit Leib und Seele bei der Sache gewesen.

Davon zeugen bereits Kindheitserinnerungen des Sohnemanns an die Anfänge des Hawelkas. „Um den Ofen im Cafe heizen zu können, ist der Vater regelmäßig in der Früh mit einem Leiterwagen nach Neuwaldegg gefahren und hat dort Brennholz gesammelt.“

Obwohl das Kaffeehaus am Freitag nicht einmal halb voll ist, kommen während des Gesprächs immer wieder Stammgäste auf Günter zu, um Beileid zu wünschen. Doch nicht nur die Gäste, auch die Belegschaft trauert um die verstorbene Legende. Man habe in der Früh bereits gemeinsam einen Schnaps getrunken, „um das leichter zu verkraften“, erzählt Günter.

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Leopold Hawelka sei ein sehr gütiger Mensch gewesen, der aber auch streng sein konnte. „Mit mir hat er einmal sehr geschimpft, weil ich eine halbe Stunde zu spät ins Lokal gekommen bin“, sagt der Sohn. Außerdem habe er mit Künstlern, die sich schlecht benommen oder „junge Damen“ belästigt hätten, „kurzen Prozess“ gemacht und sie aus dem Lokal geschmissen.

Trotz seiner 100 Jahre sei es ihm bis zuletzt den Umständen entsprechend gut gegangen, sagt der 1940 geborene Sohn. Lediglich in den vergangenen zwei Monaten sei der Alt-Chef schon zu schwach gewesen, um seinem „Vermächtnis“ noch einen Besuch abzustatten. Am gestrigen Nachmittag ist Leopold Hawelka „friedlich eingeschlafen“, wie seine Tochter mitteilte. Der verwaiste Stammplatz wird künftig Stammgästen vorbehalten bleiben, sagt Günter.

ORF zeigt am Samstag Doku über Cafetier-Familie

In memoriam Leopold Hawelka ändert der ORF sein Programm und zeigt am morgigen Samstag eine TV-Dokumentation über die legendäre Cafetier-Familie. Zu sehen ist „Königin Josefine - Die Hawelkas und ihr Cafe“ um 9.05 Uhr in ORF 2. Der 2002 entstandene Film von Andrea Eckert porträtiert die beiden Lokalgründer, Leopold und seine Gattin Josefine Hawelka, und würdigt ihr zur Institution gewordenes Cafe und seine Gäste.

Auch im Anschluss um 10.00 Uhr steht das Kaffeehaus im Mittelpunkt. Hans Moser und Paul Hörbiger treiben im Streifen „Wiener Gschichten“ aus 1940 als Wiener Zahlkellner ihr Unwesen. (APA)


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