Tirols Unternehmen blicken mit „großer Unsicherheit“ auf 2012

Knapp 40 Prozent der Gewerbetreibenden denken laut Wirtschaftskammer über Personalabbau nach. Nur 4,8 Prozent der Unternehmen blicken 2012 optimistisch entgegen.

Innsbruck - Dem Jahr 2012 blicken die Tiroler Unternehmen mit „großer Unsicherheit“ entgegen. Laut einer von der Wirtschaftskammer Tirol durchgeführten Umfrage werden 39 Prozent der Gewerbetreibenden in den kommenden drei Monaten über Personalabbau nachdenken. Der Konjunkturaufschwung sei zu Ende, eine neue Rezession werde es im Jahr 2012 jedoch nicht geben, meinte Kammerpräsident Jürgen Bodenseer bei der Präsentation des „Konjunkturbarometers Top-Tirol“ am Freitag in Innsbruck.

35,4 Prozent der insgesamt 261 befragten Leitbetriebe rechnen im kommenden Jahr mit einer schlechteren Wirtschaftsentwicklung. 60 Prozent gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage gegenüber dem Jahr 2011 nicht wesentlich verändern wird. Man rechne für das kommende Jahr mit einem leichten realen Wachstum zwischen 0,8 und 1,2 Prozent, sagte Bodenseer.

Im Dezember 2010 hätten noch rund 26 Prozent der Tiroler Unternehmen dem Folgejahr optimistisch entgegengesehen, aktuell seien es nur mehr 4,8 Prozent. „Was mich verwundert ist, dass die Unsicherheit auch das Gewerbe erreicht hat. Das ist neu“, erklärte Bodenseer. 55,8 Prozent der Unternehmen in der Sparte Handwerk und Gewerbe würden sich für 2012 eine schlechtere Entwicklung als im Jahr 2011 erwarten. Dennoch ging der WK Tirol-Präsident davon aus, dass 2012 kein Krisenjahr werde. „Die Tourismuswirtschaft sieht die Lage positiv, sie entwickelt sich stabil und es wird investiert. Davon können auch andere Branchen profitieren“, meinte Bodenseer.

Die herrschende Unsicherheit dämpft laut Umfrage insbesondere die Erwartungen der Betriebe im Hinblick auf die Nachfrage, die Erträge und die Investitionen. 25 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sich die Nachfrage bis zum Frühjahr 2012 verschlechtern wird. „Nur fünf Prozent erwarten eine Verbesserung der Ertragslage, 24 Prozent eine Verschlechterung“, erläuterte die Direktorin der WK Tirol, Evelyn Geiger-Anker. 30 Prozent der Betriebe würden deshalb im ersten Halbjahr 2012 weniger investieren wollen als 2011.

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Bodenseer: „Bundesregierung hat keine Ahnung“

Hart ins Gericht ging Bodenseer mit der Politik der Bundesregierung. Diese habe noch „keine Ahnung“, wo und wie sie einsparen solle. Deshalb würden jetzt erst einmal Arbeitskreise gegründet, getreu dem Motto: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“, kritisierte der Kammerchef. Er forderte ein Erleichtern von nachhaltigen Investitionen, das Fördern von Betriebsausweitungen, ein Durchforsten des „Förderdschungels“ sowie ein vereinfachtes Steuersystem.


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