Aktivisten: Mehr als 30 Menschen bei Protesten in Syrien getötet

Ungeachtet der Präsenz von Beobachtern der Arabischen Liga seien dort außerdem zahlreiche Menschen verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Damaskus – Syrische Sicherheitskräfte haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Freitag in den Städten Idleb, Daraa, Homs und Hama mindestens 34 Zivilisten und Deserteure erschossen. Ungeachtet der Präsenz von Beobachtern der Arabischen Liga seien dort außerdem zahlreiche Menschen verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Hunderttausende Menschen gingen demnach gegen die Regierung auf die Straße.

Der in London ansässigen Beobachtungsstelle zufolge eröffneten die Sicherheitskräfte in mehreren Städten das Feuer auf Demonstrationen und erschossen zahlreiche Teilnehmer. In der nordwestlichen Provinz Idleb folgten demnach mehr als 250.000 Menschen einem Protestaufruf gegen Staatschef Bashar al-Assad. Auch in Homs habe eine riesige Kundgebung stattgefunden.

Bei Protesten zehntausender Menschen nahe der Hauptstadt Damaskus setzten Sicherheitskräfte laut der Beobachtungsstelle neben Tränengas und Blendgranaten auch Nagelbomben ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Für die Angaben der Organisation gab es keine unabhängige Bestätigung.

Die US-Regierung nannte die seit einigen Tagen andauernde Beobachtermission der Arabischen Liga hilfreich für den Schutz der Bürger. Außenamtssprecherin Victoria Nuland äußerte aber Sorge über die andauernde Gewalt. Sie verwies jedoch auch darauf, dass im Internet „großartige Aufnahmen einer Kundgebung für Demokratie“ in Idleb zu sehen seien, während die Kontrollore am Donnerstag dort waren. Dies zeige, dass sie Raum für Kundgebungen schaffen könnten.

Nuland forderte die syrische Führung auf, das Abkommen mit der Arabischen Liga vollständig umsetzen. Damaskus hatte erst kürzlich nach langem Zögern zugestimmt, Beobachter ins Land zu lassen, die Armee aus den Städten abzuziehen und Gefangene freizulassen.

Der Sprecher von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Martin Nesirky, rief die syrische Führung dazu auf, den Beobachtern überall im Land freien Zugang zu gewähren. Zugleich ermahnte er die Liga selbst, „alle nur möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass sie ihre Aufgabe erfüllen kann“.

Russland äußerte sich zufrieden über den Beginn der Beobachtermission. Das Außenministerium in Moskau erklärte, laut dem Chef der Mission, dem sudanesischen General Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi, sei die Lage in der Protesthochburg Homs nicht Besorgnis erregend, und es habe keinen Bericht über einen Konflikt gegeben. Der sudanesische General ist allerdings umstritten. Er war früher hochrangiger Mitarbeiter des militärischen Geheimdiensts und gilt als Vertrauter des wegen Kriegsverbrechen in Darfur gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir. (APA/AFP)


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