Giorgos Papandreou: „Europa hätte uns besser schützen müssen“

„Europa hätte von Anfang an die Pistole auf den Tisch legen müssen, indem die Staats- und Regierungschefs klarstellten, dass Griechenland und jedes Mitglied der Eurozone in jedem Fall vor einem Bankrott bewahrt würde, koste es, was es wolle“, so der griechische Ex-Premier.

Wien – In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins „profil“ erhebt der griechische Ex-Premier und profil-“Mensch des Jahres 2011“ Giorgos Papandreou schwere Vorwürfe gegen die EU und ihre Währungskrisenpolitik:

„Europa hätte von Anfang an die Pistole auf den Tisch legen müssen, indem die Staats- und Regierungschefs klarstellten, dass Griechenland und jedes Mitglied der Eurozone in jedem Fall vor einem Bankrott bewahrt würde, koste es, was es wolle.“ Papandreous Resümee: „Europa hätte uns besser schützen müssen, auch im Interesse der anderen Staaten.“

Papandreou macht die EU mitverantwortlich für die griechischen Staatsschulden: „Die EU-Kommission ist da nicht ganz unschuldig.“ Die konservative Vorgängerregierung habe 2004 ein Gesetz beschlossen, durch das die gewaltigen Ausgaben im Militärbereich nicht in aktuellen, sondern in alten Jahresbudgets rückwirkend aufscheinen. Papandreou habe sich daraufhin an die EU-Kommission gewandt und gefragt, „warum um Himmels Willen sie so etwas akzeptiere.“ Aber: „Ich bekam keine Antwort.“

Papandreou zeigt sich im „profil“-Inteview zufrieden mit seiner Regierungsarbeit: „Griechenland könnte heute bankrott sein, das haben wir verhindert, und darauf bin ich stolz.“ Ein Comeback als Premier will er nicht ausschließen: „Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich meine Zukunftspläne bald bekannt geben werde.“ (OTS)


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