Original von Havel-Stück in Wäscheschrank gefunden

Der mit Schreibmaschine erstellte Text beinhaltet auch Havels mit Hand eingeschriebene Bemerkungen und Zeichnungen, einschließlich der Namen der Schauspieler, berichtete die tschechische Tageszeitung „Pravo“ .

Prag – Das Original des ersten Theaterstücks von Vaclav Havel, „Zahradni slavnost“ („Gartenfest“), das 1963 im Prager Theater Na zabradli (Am Geländer) erstmals angeführt wurde, ist in einem Wäscheschrank in einer Prager Wohnung gefunden worden. Der mit Schreibmaschine erstellte Text beinhaltet auch Havels mit Hand eingeschriebene Bemerkungen und Zeichnungen, einschließlich der Namen der Schauspieler, berichtete die tschechische Tageszeitung „Pravo“ (Samstag-Ausgabe).

Der tschechische Fotograf Jiri Kuna hat den Text zufällig bereits Ende November - drei Wochen vor Havels Tod - gefunden, als er seine Wohnung im Prager Stadtviertel Vinohrady aufgrund einer Übersiedlung ausräumte. „Er (der Text) muss dort viele Jahre gelegen sein“, sagte Kuna, der sich nicht sicher sei, wie und wann der Text in den Wäscheschrank gekommen sei.

Kuna erinnert sich eigenen Worten zufolge, dass man zu Hause in seiner Kindheit darüber vorsichtig gesprochen habe, damit der Text nicht in die Hände der kommunistischen Geheimpolizei falle. „Es war so etwas wie ein Familiengeheimnis“, so der Fotograf.

Mehrere Experten bestätigten die Möglichkeit, dass es sich wirklich um Havels Original handelt. Die Theaterwissenschafterlin Lenka Jungmanova sagte dem Blatt, sie persönlich kenne vier Versionen von „Gartenfest“. „Ich kann aber bestätigen, dass nicht einmal Vaclav Havel wusste, wie viele Versionen eigentlich existieren, ob es beispielsweise nicht 20 sind. Deswegen kann ich sagen, dass die Existenz einer weiteren, mit Bemerkungen ergänzten Version, wahrscheinlich ist“, so Jungmanova. Havel begann das Drama 1961 zu schreiben.

Kuna ist sich noch nicht sicher, was er mit dem gefundenen Text machen werde. Er habe mehrere Wochen überlegt, ob er weiter schweigen sollte und es sich zur Erinnerung für weitere Nachkommen behalten oder es in einer Auktion verkaufen oder einer Stiftung schenken soll. „Auf jeden Fall denke ich aber, dass die Welt über den Fund Bescheid wissen sollte“, so Kuna.

Es sei eine „Schicksalsironie“, dass der Text gerade in diesen Tagen gefunden worden sei, sagte der Fotograf weiter. „Bestimmt will ich nicht als jemand dastehen, der aus dem Abgang von Vaclav Havel Popularität erlangen will“, fügte Kuna hinzu. (APA)


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