Nigerias Präsident erklärte Ausnahmezustand

Bei Zusammenstößen in der Region Ebony kamen mindestens 50 Menschen ums Leben.

Nach Bombenanschlägen auf Kirchen und in der Nähe einer Moschee in Nigeria hat Präsident Goodluck Jonathan über vier Regionen im Norden des Landes den Ausnahmezustand verhängt und Grenzen zu Nachbarländern geschlossen. Betroffen sind Gegenden, in denen die radikalislamische Sekte Boko Haram besonders aktiv ist. Es handle sich um vorübergehende Maßnahmen, sagte Jonathan am Samstag im Staatsfernsehen. „Die kurzfristige Schließung unserer Grenzen in den betroffenen Regionen ist nur eine Übergangsmaßnahme, um den Sicherheitsproblemen dort zu begegnen, und wird wieder aufgehoben, sobald dort wieder Normalität einkehrt“, sagte Jonathan.

Der nigerianische Präsident erklärte, er werde die „einem Krebsgeschwür ähnliche“ Terrorgruppe Boko Haram zerschlagen, wie der Sender BBC berichtete. Die Gruppe würde darauf abzielen, Nigeria zu zerstören. „Aber das will niemand“, betonte er. Zuvor hatte Jonathan unter hohen Sicherheitsvorkehrungen der katholische Kirche St. Theresa in Madalla am Rande der Hauptstadt Abuja einen Besuch abgestattet. Dort waren Angehörige der Opfer zusammengekommen, die in dem Gotteshaus getötet worden waren.

Er habe zudem Anweisungen erteilt, eine neue Anti-Terror-Truppe zu bilden, so Jonathan. Die temporäre Schließung der Grenzen betrifft die nordöstlichen Regionen Yobe und Borno sowie das zentralnigerianische Plateau, hieß es.

Bei mehreren Bombenanschlägen auf Kirchen im Norden Nigerias waren über Weihnachten insgesamt mehr als 40 Menschen getötet worden. Zu den Anschlägen hatte sich Boko Haram bekannt. Aus Angst vor neuen Attacken hatten zahlreiche Kirchen in Nigeria mitternächtliche Gottesdienste in der Silvesternacht abgesagt. Die Extremisten von Boko Haram, die westliche Kultur und das Christentum radikal ablehnen, hatten für die christlichen Neujahrsfeiern erneut Anschläge angekündigt.

Am Freitag waren bei einer Bombenexplosion in der Stadt Maiduguri nahe einer Moschee nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Die Stadt gilt als Hochburg der radikalislamischen Sekte. Einwohner sagten, der Anschlag gehe auf das Konto von Boko Haram, andere vermuteten einen Vergeltungsschlag christlicher Gruppen.

Der Norden des westafrikanischen Landes ist mehrheitlich von Muslimen bewohnt, während im ölreichen Süden die Christen in der Mehrheit sind. Jonathan ist Christ und hatte das Amt im Jänner 2010 von dem Muslim Umaru Yar‘Adua übernommen, der schwer erkrankt war.

Bei Zusammenstößen zwischen ethnischen Gruppen in der nigerianischen Region Ebonyi sind am Samstag zumindest 50 Menschen getötet worden. Das berichtete ein Sprecher der Provinzregierung der Nachrichtenagentur Reuters. Die Kämpfen brachen zwischen den Ethnien Ezza und Ezilo aus, zwischen denen es bereits in der Vergangenheit Konflikte gab. „Uns wurden 50 Leichname gezeigt“, erklärte Regierungssprecher Onyekachi Eni. Es seien aber bei einem Besuch in einer Ezilo-Gemeinde auch nach den Zusammenstößen weitere Leichen geborgen worden. Es könnte sich um bis zu 60 Opfer handeln.

Es gab zunächst keinen Hinweis darauf, dass die Unruhen mit den Angriffen auf Gotteshäuser und dem verschärften Konflikt zwischen Christen und Muslimen seit Weihnachten zu tun haben. Bei Angriffen auf Kirchen, zu denen sich die islamistische Sekte Boko Haram bekannte, wurden am Christtag viele Menschen getötet. In Folge kam es auch zu Angriffen auf eine Moschee.


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