Leitfaden für sichere Spitalsaufenthalte

Bei jedem zehnten Aufenthalt im Krankenhaus tritt ein unerwünschtes Ereignis auf. Oft wäre es vermeidbar – und der Patient selbst kann dabei helfen.

Von Elke Ruß

Wien – Zu Risiken oder Nebenwirkungen Ihres Spitalsaufenthaltes fragen Sie Ihre Ärzte oder Pflegekräfte: Diesen Rat sollte man jedem Patien­ten mitgeben, der ins Krankenhaus muss.

Bei acht bis zwölf Prozent aller Spitalsaufenthalte kommt es nämlich zu so genannten „unerwünschten Ereignissen“. Rund 60 Prozent (!) davon sind auf Kommunikationsmängel zurückzuführen und wären damit vermeidbar, betont Brigitte Ettl, die Vorsitzende der Österreichischen Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Wien-Hitzing.

Jetzt geben die Plattform und das Gesundheitsministerium den Patienten einen Leitfaden in die Hand, mit dessen Hilfe sie selbst zu ihrer Sicherheit beitragen können. Der Ratgeber ist der erste im deutschsprachigen Raum, erarbeitet nach dänischem Vorbild.

Es müssen nicht gleich so folgenschwere Fehler sein wie die Amputation des falschen Beines. Ein „unerwünschtes Ereignis“ ist es etwa auch, wenn ein Patient zum ersten Mal Penicillin bekommt und allergisch reagiert. Das ist kaum verhinderbar. Sehr wohl vermeidbar wäre es aber, dass jemand wieder Penicillin bekommt, weil ein Arzt die Krankenakte nicht prüft oder weil die Allergie beim Übertrag von einer auf die nächste Woche nicht erfasst wird. Der Patient kann da helfen, indem er fragt, was in einer Spritze ist – oder warum er gestern noch vier, heute aber fünf Tabletten bekommt.

Der Patient kann Wechselwirkungen vorbeugen, wenn er eine Liste aller Medikamente und Mittelchen mitbringt, die er daheim nimmt. „Auch homöopathische Mittel können z. B. Einfluss auf die Narkose haben“, erklärt Ettl dazu.

Patienten können die Sturzgefahr etwa bei schwachem Kreislauf nach einem Eingriff mit Narkose senken, wenn sie lieber die sicheren, statt der eleganten Hausschuhe einpacken. Der Patient soll sich nicht schweigend wundern, wenn er mit einem falschen Namen angesprochen wird oder wenn ihm die Markierung vor einer OP merkwürdig vorkommt. Er soll auch melden, wenn er Schmerzen hat – selbst wenn er glaubt, dass sie gar nichts mit dem Leiden zu tun haben, wegen dem er im Krankenhaus aufgenommen wurde.

Nicht immer ist sofort ein Experte greifbar, wenn eine Unklarheit auftaucht. Deshalb sollte der Patient sich aufschreiben, was er den Arzt noch fragen will – vor einem Eingriff ebenso wie vor der Entlassung nach Hause.

„Wir wollen dem Patienten nicht Angst machen oder ihm den schwarzen Peter zuschieben“, betont Ettl. „Aber kein Patient soll sich eine Frage verkneifen! Wenn er nicht fragt, gibt es keine Kommunikation. Der Arzt glaubt ja, der hat eh alles verstanden.“ Mit Ausnahme von Akutsituationen, in denen alle Abläufe funktionieren müssen, müsse im System einfach genug Zeit geschaffen werden. „Es rächt sich sonst.“

Sich fragen zu trauen: Dieser Appell geht übrigens nicht nur die Patienten etwas an. Ettl bezieht sich auf einen Bericht in einer Anästhesiezeitschrift über 13 Eingriffe in der Schweiz, bei denen etwa bei Eingriffen an Fuß, Leiste oder Achsel die Körperseite verwechselt wurde. „Bei sieben dieser Fälle hat sich der Anästhesist gewundert, aber nichts gesagt.“

Das „Patientenhandbuch – Leitfaden für einen sicheren Krankenhausaufenthalt“ soll im Frühjahr 2012 als Pilotprojekt in ausgewählten Abteilungen von drei Wiener Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Schon jetzt ist es aber auf der Homepage des Gesundheitsministeriums abrufbar: http:/go.tt.com/v7VW5l.

Infos gibt es auch auf der Plattform Patientensicherheit. www.plattformpatientensicherheit.at.


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