Vorwahlkampf der Republikaner in Iowa geht in heiße Phase

Mitt Romney attackierte Präsident Obama und warf ihm eine „europäische Politik“ vor“. „Wir steuern in die Richtung von Griechenland, Italien oder Spanien“, sagte er mit Blick auf die finanziell angeschlagenen Euro-Staaten.

Le Mars – Wahlkampf zu Silvester: Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner sind Favorit Mitt Romney und andere Bewerber am Wochenende durch Iowa getourt, um kurz vor dem Vorwahl-Auftakt in dem Staat am Dienstag unentschlossene Parteimitglieder auf ihre Seite zu ziehen. Romney griff in einer Rede den wiederkandidierenden Präsidenten Barack Obama scharf an. Bei der Präsidentschaftswahl im November gehe es nicht nur darum, Obama abzulösen, sagte Romney bei einem Wahlkampfauftritt in einem Restaurant in der Kleinstadt Le Mars. „Dies ist eine Wahl, um die Seele Amerikas zu retten.“

Romney warf Obama vor, die USA in einen „europäischen Wohlfahrtsstaat“ umwandeln zu wollen. Auch bei der Schuldenkrise Washingtons zog der frühere Gouverneur von Massachusetts eine Parallele zu Europa. „Wir steuern in die Richtung von Griechenland, Italien oder Spanien“, sagte er mit Blick auf die finanziell angeschlagenen Euro-Staaten.

Bei seiner Wahlkampf-Tour durch Iowa, wo am Dienstag die ersten Vorwahlen abgehalten werden, hatte Romney in den vergangenen Tagen Obama immer wieder in die Nähe Europas gerückt. „Unsere DNA ist zwar wie die der Menschen in Europa, doch wir übertreffen sie, und zwar deutlich.“ Obama verstehe allerdings nicht, was die US-Wirtschaft so kraftvoll mache. „Europa funktioniert in Europa nicht. Ich möchte, dass Amerika vollkommen amerikanisch bleibt“, sagte Romney.

Er warf Obama eine wirtschaftsfeindliche Politik vor, die für die hohe Arbeitslosigkeit und schwache Konjunktur in den USA verantwortlich sei. Seine republikanischen Mitbewerber erwähnte er mit keinem Wort.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Eine am Samstag veröffentlichte Umfrage der in Iowa erscheinenden Zeitung „Des Moines Register“ bestätigte Romneys Führungsposition unter den republikanischen Bewerbern um die Kandidatur gegen Obama. Demnach sprachen sich 24 Prozent der Republikaner in Iowa, die mit großer Wahrscheinlichkeit an den Vorwahlen teilnehmen wollten, für den Ex-Gouverneur und Unternehmer aus.

Auf Rang zwei folgte mit 22 Prozent der ultra-liberale texanische Abgeordnete Ron Paul, der den Staat auf ein absolutes Mindestmaß zurechtstutzen will. Der erzkonservative Ex-Senator Rick Santorum, der mit seiner strikten Ablehnung von Homo-Ehe und Abtreibung die Anliegen des christlich-evangelikalen Wählerblocks bedient, lag mit 15 Prozent auf dem dritten Platz.

Dem „Des Moines Register“ zufolge sind aber noch 41 Prozent der wahrscheinlichen Vorwahl-Teilnehmer unentschlossen. Bei den sogenannten Caucuses treffen sich Parteimitglieder der Republikaner am Dienstagabend überall in Iowa zu Wahlversammlungen, um über die Bewerber zu diskutieren und abzustimmen. Das Ergebnis ist vor allem symbolisch: Iowa hat nur wenige Delegierte für die offizielle Kandidatenkür auf dem Parteitag Ende August zu vergeben. Romneys Hoffnung ist, dass er erst Iowa und dann am 10. Jänner die zweite Vorwahl in New Hampshire für sich entscheiden kann. Dort führt er in Umfragen deutlich.

Der nach einem Höhenflug im Spätsommer in den Umfragen abgestürzte texanische Gouverneur Rick Perry warf Romney am Samstag bei einem Auftritt in Boone in Iowa vor, die Wähler mit seinen vermeintlich konservativen Ansichten zu täuschen. Auch Santorum nahm Romneys einst eher liberale Positionen bei Themen wie Abtreibung oder Waffengesetzen ins Visier. In der Kleinstadt Indianola rief er die Wähler auf, „ihrem Herzen zu vertrauen“ und bei der Kandidatenwahl nicht nur darauf zu schielen, wem von den Meinungsforschern die besten Chancen gegen Obama eingeräumt werden.

Der Präsident schwor seine Landsleute unterdessen nach monatelangen Streitereien zwischen seinen Demokraten und den Republikanern im Kongress um Schulden und Steuern auf ein weiteres turbulentes Jahr ein. Im Wahljahr 2012 habe das Land „einige schwierige Debatten und einige harte Kämpfe“ vor sich, sagte er am Samstag in seiner letzten wöchentlichen Radioansprache 2011. „In vielerlei Hinsicht werden die Schritte der nächsten Monate mitbestimmen, welche Art Land wir sein wollen“, betonte er. Die USA befänden sich an einem entscheidenden Punkt für das Schicksal der Mittelschicht. Es gebe „keinen Zweifel“, dass 2012 noch mehr an Veränderungen mit sich bringen werde als das zu Ende gehende Jahr.

Die Präsidentenwahl findet im November statt. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes stehen neben der schlappen US-Konjunktur die Mega-Schulden der USA und damit verbunden die künftige Ausgaben- und Steuerpolitik. Während sich die Republikaner strikt gegen jegliche Steuererhöhungen wenden und Ausgabenkürzungen des Staates verlangen, wollen die Demokraten Reiche stärker zur Kasse bitten und weit weniger Abstriche bei Sozialprogrammen hinnehmen. (APA/AFP/sda/dpa)


Kommentieren


Schlagworte