Pfusch-Alarm bei den Schwazer Stadtgalerien

Pfusch-Jäger sind beim Bau der Stadtgalerien Schwaz im Dauereinsatz. 50 „Illegale“ sollen aufgeflogen und mehrere Strafanzeigen anhängig sein.

Von Max Strozzi

Schwaz –Briefkastenfirmen, Scheinselbstständige und Schwarzarbeit: Beim Bau der Stadtgalerien in Schwaz, einer der größten Baustellen in Tirol, scheint der Pfusch bunte Blüten zu treiben. Laut TT-Informationen flogen bei einer Schwerpunktaktion der Finanzpolizei (ehemals KIAB) bereits im Herbst auf der Schwazer Großbaustelle rund 30 Pfuscher aus Portugal auf, die ohne entsprechende Arbeitspapiere aufgegriffen wurden.

Im Mittelpunkt stand dabei ein portugiesischer Beschäftigter einer Baufirma im Tiroler Oberland. Der Angestellte hatte Mitte 2010 selbst ein Bauunternehmen gegründet, und zwar in Portugal. Über diese Firma sollen jene rund 30 Portugiesen angeheuert worden sein, die dann illegal in Schwaz arbeiteten und ohne Arbeitspapiere in die Fänge der Pfusch-Ermittler gerieten. Bei Nachforschungen in Portugal stießen die Pfusch-Jäger dann lediglich auf eine Briefkastenfirma, die selbst den portugiesischen Behörden unbekannt war.

Für den 75-Millionen-Euro-Großbau von Investor und Adler-Lacke-Seniorchef Günther Berghofer im Schwazer Zentrum hatten die Tiroler Bauriesen Bodner und Lang eine ARGE gegründet. Auch die öffentliche Hand trägt einen Teil der Kosten: Die Stadt Schwaz zahlt sieben Millionen Euro für den neuen Stadtsaal, zudem investierte die Stadt 300.000 Euro in den Tiefbau. Das Land fördert den Bau zusätzlich mit 750.000 Euro.

Baufirmenchef Thomas Bodner bestätigt gegenüber der TT das Auffliegen der Schwarzarbeiter, weist aber jede Verantwortung von sich. „Wir als Firma Bodner sind nicht involviert. Wir haben den Auftrag an ein Salzburger Unternehmen vergeben, das aber den Auftrag offenbar an eine Oberländer Firma weitergab. Von dieser Kette haben wir aber nichts gewusst“, sagt Bodner. Laut Bodner soll sich die Sache „in Wohlgefallen“ aufgelöst haben, die Firma soll laut Bodner entsprechende Nachweise erbracht haben. Lang-Firmenchef Hannes Kronthaler war für die TT nicht zu erreichen.

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Jüngst wurden auf der Schwazer Baustelle aber erneut fast 20 weitere Bauarbeiter im Trockenbaubereich ohne gültige Papiere aufgegriffen. Im Zentrum steht dabei ein deutsches Sub­unternehmen. Osteuropäische Bauarbeiter sollen über dieses deutsche Subunternehmen als Scheinselbstständige illegal in Schwaz gearbeitet haben.

Wie die TT erfuhr, sollen mittlerweile nach dem wiederholten Pfusch-Alarm auf der Schwazer Stadtgalerien-Baustelle mehrere Strafverfahren anhängig sein, darunter auch Finanzverfahren gegen die Generalauftraggeber Bodner und Lang.


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