Zwei Dänen aus Bergnot gerettet - Bergung „extrem riskant“

24 Bergrettungsdienstler waren unter gefährlichen Bedingungen in einem siebenstündigen und von Lawinen bedrohten Nachteinsatz unterwegs.

Salzburg – Als „extrem riskant und grenzwertig gefährlich“ stufte die Bergrettung Badgastein ihren Einsatz gestern, Samstag, Nacht in alpinem Gelände in Sportgastein ein. Die Bergrettungsdienstler waren bei völliger Dunkelheit und dichtem Schneegestöber permanent von Lawinen bedroht. Zwei Burschen aus Dänemark hatten sich auf der nicht gesicherten Nordabfahrt verirrt und waren in auswegloses, bekanntermaßen gefährliches Gelände geraten. Bei Einbruch der Dunkelheit um etwa 17.00 Uhr konnten die 19 und 21 Jahren alten Dänen nicht mehr vor und nicht zurück und riefen per Handy um Hilfe. Sieben Stunden später waren alle Einsatzkräfte sowie die beiden Skifahrer unverletzt im Tal.

Die Burschen haben die Einfahrt zur klassischen Nordabfahrt verfehlt und sind ins Höhkargebiet geraten. Dieses ausweglose Hochtal mündet in einen extrem steilen, 150 Meter weit abfallenden Wasserfall, der nur von geübten Eiskletterern begangen werden kann. Nach der Lokalisierung der festsitzenden Dänen hat die Bergrettung Badgastein einen Trupp von oben mit Skiern und einen Trupp zu Fuß von unten losgeschickt. „Die Bergretter auf Skiern mussten aber umkehren, weil die Spuren der Dänen völlig verweht und nicht mehr erkennbar waren“, sagte Einsatzleiter Andreas Kandler im Gespräch mit der APA. „Vor allem aber gingen die Lawinen fast im Minutentakt ab. Das war definitiv keinen Moment länger verantwortbar. Wegen der extremen Lawinengefahr im oberen Geländeabschnitt haben wir sogar die Bergrettung Bad Hofgastein in Bereitschaft versetzt, damit es schnell geht, wenn die Retter verschüttet werden sollten.“

Der Fußtrupp erreichte die georteten Dänen nach mehrstündigem Anstieg durch knietiefen Neuschnee und Klettern durch den vereisten Wasserfall. Die unterkühlten aber unverletzten Burschen wurden angeseilt, mit Steigeisen ausgerüstet und den Wasserfall hinunter geseilt. Um Punkt Mitternacht waren alle Rettungsleute sowie die beiden Skifahrer „völlig erschöpft“ im Tal. „Die beiden Dänen und alle 24 Bergretter waren am Ende ihrer Kräfte“, sagte Kandler. „Ich kann mit nicht vorstellen, dass irgendwer noch Silvester gefeiert hat. Ich selbst bin um halb eins ins Bett gefallen.“

Ob sich diese besonders gefährliche Bergung für die Bergrettung wenigstens wirtschaftlich lohnt, ist mehr als fraglich. „Alle, die wir bergen, bedanken sich überschwänglich. Aber wenn sie den Fuß im Trockenen haben, sinkt in der Regel auch die Zahlungsmoral. In diesem Fall stehen der Bergrettung mehr als 6.000 Euro für insgesamt 168 Einsatzstunden zu. Aber mit dem Eintreiben dieser Gebühren sind wir allzu oft erfolglos“, sagte Kandler.

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