Landecker graben nach ihren Kirchenstiftern

Bei der Restaurierung der Stadtpfarrkirche wurden mittelalterliche Knochen entdeckt. Bald graben die Archäologen im Innenraum.

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Von Matthias Reichle

Landeck –In vier Jahren feiern die Landecker das 750-Jahr-Jubiläum ihrer Kirche. Der rund 500 Jahre alte Bau, in dem sich die Landecker heute noch versammeln, hat gottlob noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel und trotzdem schon einiges gesehen. Weshalb die Landecker 2009 den Startschuss für eine große Kirchenrestaurierung gaben. Kostenpunkt: 2,5 Mio. Euro. Auch heuer stehen einige große Brocken an.

Nach Abschluss der Phase 1, in der die Grobkostenschätzung erledigt wurde, und der Phase 2 mit einer Analyse der Fenster, des Verputzes und des Mauerwerks sowie Trockenlegungsarbeiten seien nun die archäologischen Ausgrabungen an der Reihe, erklärten Architekt Friedrich Falch und Pfarrer Martin Komarek.

Nach Pfingsten wird sechs Wochen lang auf der Suche nach den Knochen der Kirchenstifter – den Schrofen­steinern – und den Resten der Vorgängerkirche im Presbyterium gegraben. Das Wissenschaftsministerium hat dafür 137.000 Euro bewilligt. Archäologisch Interessantes und Mysteriöses hat man bereits in den Wänden entdeckt. „Zwölf Nischen mit Knochen“, erklärt Falch. Es handelt sich um Oberschenkelknochen, die in der Mauer ruhten. Sie stammen von kleinen Menschen – so viel ist klar. Die Reste seien mittelalterlich und sollen untersucht werden, betont er.

Einen Erfolg verzeichnete man auch bereits bei der Trockenlegung der Wände. Hier ist die Feuchtigkeit, die Spitzen von elf Prozent erreichte, auf knapp unter drei Prozent gefallen. Der Schaden ist ein Resultat der verunglückten Renovierung in den 70ern.Künftig wird eine Bodenheizung eingebaut, mit der 70 Prozent der Betriebskosten eingespart werden können. Bei den Grabungen hofft man, auf den ursprünglichen Steinboden zu stoßen, den man rekonstruieren will. Optisch soll sich an der Kirche in den nächsten Jahren einiges ändern: Es wird einen Mittelgang geben, die romanische Madonna rückt ganz nach vorn, der Schrofensteiner Altar nach hinten und auch das Taufbecken bekommt einen neuen Platz. Statt Bänken sollen Stühle kommen. Auch auf moderne Elemente wolle man nicht verzichten: zum Beispiel einen gläsernen Windfang und drei moderne Glasfenster, für die man derzeit nach geeigneten Künstlern sucht.

Finanziert wird Schritt für Schritt. Bislang hat man rund 190.000 Euro zusammenbekommen. „Die einzige sichere Zusage kommt von der Diözese, die zehn Prozent der Kosten übernehmen wird“, so Komarek. Ebenso viel will die Pfarre einbringen. Die Landecker haben bereits 50.000 Euro gespendet.


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