Die Wirtschaftskraft in ländlichen Regionen stärken

Die Zeitbombe tickt: In Osttirol geht die erwerbstätige Bevölkerung rasant zurück. Forum Land will die Negativentwicklung einbremsen.

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Von Claudia Funder

Osttirol –Die Prognosen für entlegene Regionen sind düster. Gerade im ländlichen Raum ist der erwartete Bevölkerungsschwund enorm. Der Bezirk Lienz steht vor einem besonders großen Wandel. Bis 2035 wird hier ein Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung von 16,5 Prozent erwartet. „Es ist damit zu rechnen, dass Osttirol in 20 Jahren nur noch rund 40.000 Einwohner haben wird“, so Bauernbundobmann Martin Mayerl im Rahmen eines Pressegesprächs.

Ein harter Kampf für viele Gemeinden. Denn die Entwicklung wird sich in vielen Bereichen bemerkbar machen. Infrastruktureinrichtungen werden schwieriger zu finanzieren sein, Betriebsansiedelungen sind uninteressanter. Mit den Arbeitskräften wandert auch das Geld ab, es kommt zur finanziellen Ausdünnung. Damit ist auch das Dorfleben gefährdet. Enorme Herausforderungen, denen man, will man die weitere Negativentwicklung in entlegenen Gebieten einbremsen, rasch und mit dem nötigen Nachdruck begegnen muss.

Mayerl sieht durchaus Chancen, wenn öffentliche Gelder in die ländlichen Regionen gelenkt würden und politisch eine Benachteiligung der Dörfer verhindert würde. Dazu brauche man eine stärkere politische Lobby. Man müsse Druck von unten nach oben erzeugen, um ein Umdenken zu erwirken.

Forum Land reagiert auf die Entwicklung und möchte gezielt Kräfte bündeln. Politischer Druck soll erzeugt werden, um Wettbewerbsnachteile am Land zu minimieren.

Bundesrat Georg Keuschnigg nennt als Beispiel die Glasfaserausrollung: „Eine gute Internetanbindung bis in entlegene Regionen hat auch mit Lebensqualität zu tun. Wenn wir nicht politisch Druck machen, wird rund um die Ballungszentren, wo viele Abnehmer sind, noch stärker ausgebaut und die ländlichen Gebiete gehen leer aus.“ Die Wertschöpfung müsse, so Keuschnigg, im Dorf bleiben, dann würden sich auch Betriebe ansiedeln und Private Häuser bauen. Die bäuerliche Struktur im Bezirk sei noch stabil, betont Mayerl. „Derzeit gibt es rund 1700 landwirtschaftliche Betriebe, in Gunstlagen geht die Anzahl sogar stärker zurück als im Berggebiet.“

In Osttirol wird zur Diskussion im Rahmen der Reihe „Dorf ohne Leben? – Gib deiner Region eine Stimme“ geladen. Die erste Veranstaltung ist am 20. April im Tirolerhof Dölsach. Am 2. Mai wird im Puster-, am 21. Mai im Iseltal diskutiert. Die Ergebnisse werden in einen Masterplan fließen, um Lücken nachhaltig zu schließen.


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