Guter Deal im roten Umfeld

Die Telekom mietete zur EURO 2008 das Burgtheater. Als Vermittler trat ein SPÖ-nahes Medienhaus auf. Guter Riecher fürs Geschäft oder Parteienfinanzierung?

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Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Schöner war es nur im Stadion: Die Telekom Austria hatte während der Fußball-Europameisterschaft 2008 das Burgtheater am Wiener Ring komplett gemietet, um Public Viewing für Prominente und Geschäftspartner anzubieten. Für die Telekom war der Event ein Erfolg, betont Sprecher Alexander Kleedorfer.

Bei dem Deal eingebunden war aber auch das der Wiener SPÖ nahestehende Echo-Medienhaus. Der TT liegen erstmals die Vereinbarungen und Rechnungen dazu vor. Warum Echo eingeschaltet war, geht aus den Unterlagen aber nicht hervor. Die politischen Gegner der SPÖ vermuten Parteienfinanzierung.

Die zentrale Frage lautet, warum die Telekom das Theater nicht direkt gemietet hat. Immerhin, so heißt es in einer mit 15. Oktober 2007 datierten Punktation zum Mietvertrag, sei die Telekom ein „langjähriger Partner des Burgtheaters“. Als solcher sei das Unternehmen „direkt, aber auch über das Echo-Medienhaus“ mit dem Mietwunsch an das Theater herangetreten.

Als Mieter trat aber Echo auf – und nicht der „langjährige Partner“ Telekom. An Echo hat das Theater von Dezember 2007 bis Juni 2008 auch vier Teilrechnungen gestellt. Der Mieterlös: exakt eine Million Euro plus Umsatzsteuer.

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Die Abwicklung des Events lag dann ganz in Händen der Telekom. „Der Telekom steht für die Vertragsdauer das gesamte Haus (Innenräume, Außenfassade sowie das Dach) wie im Plan beschrieben (siehe Beilage) zur Verfügung“, steht im Vertrag.

Folgerichtig hat das Burgtheater die Personalkosten für den EURO-Event am 31. August 2008 auch direkt mit der Telekom verrechnet: 450.000 Euro plus Umsatzsteuer, brutto also 540.000 Euro.

Warum also wurde Echo eingeschaltet? Die Telekom teilte dazu mit, Echo habe das Burgtheater bereits im März 2007 für die EURO angeboten – ein Jahr vor der Europameisterschaft und ein halbes Jahr vor Vertragsabschluss.

So erzählt es auch Echo-Geschäftsführer Christian Pöttler. Er habe die Idee gehabt, das Theater während der EURO für Events zu verwenden. Ursprünglich habe er dabei mit wechselnden Partnern arbeiten wollen. Dann sei die Telekom an ihn herangetreten und habe das Haus für die gesamte Dauer gemietet.

Und wie viel hat Echo damit verdient? „35.000 bis 45.000 Euro, je nach Rechenweise“, sagt Pöttler. Damit sei ein halbes Jahr Verhandlungen abgegolten worden. Sonst habe er nur die tatsächlichen Kosten verlangt – für die Miete des Theaters, des zugehörigen Restaurants „Vestibül“ und zahlreicher Tiefgaragenplätze in der Nähe, die er bereits reserviert gehabt habe.

Dass sein Verlag in einem Naheverhältnis zur Wiener SPÖ steht, bestätigte der Geschäftsführer. Echo gibt zahlreiche Medien im Umfeld des Wiener Rathauses heraus. Eigentümer ist der „Verband der Wiener Arbeiterheime“. Und der ist klar rot: Der Vorsitzende und seine zwei Stellvertreter kommen aus dem Parteiadel der Wiener SPÖ.

Zumindest Geldflüsse von Echo zur SPÖ gebe es aber nicht. Pöttler zur TT: „Das ist nicht meine Mission.“

Echo bzw. Pöttler stehen auch unter Verdacht, vor der Nationalratswahl 2006 von der Telekom über den Lobbyisten Peter Hochegger 20.000 Euro für die SPÖ entgegengenommen zu haben. Pöttler hat diesen Vorwurf stets bestritten. Das Geld sei für eine Studie über Gratismedien geflossen.


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