„Die Zahl der kundigen Biertrinker nimmt zu“

Conrad Seidl weist seit 13 Jahren den Weg zu den besten Bierlokalen Österreichs. Er ortet immer noch Aufholbedarf in Sachen Bierkultur.

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Sie haben gerade Ihren neuen Bier-Guide präsentiert, der 1200 Lokale auflistet. Worauf achten Sie in der Bewertung?

Conrad Seidl: Es geht darum, wie das jeweilige Lokal im Vergleich zu dem, was es in der Bierwelt gibt, dasteht – sowohl was die Auswahl als auch das Ambiente betrifft. In Tirol gibt es übrigens sehr viele gute Bierlokale.

Sie bemühen sich nun schon seit 13 Jahren um die Bierkultur. Wie ist es um sie bestellt?

Seidl: Man muss schon sagen, dass die meisten immer noch einfach ein Bier bestellen. Aber es gibt immer mehr Kundige, die auswählen. Die Biervielfalt hat durch Importe – etwa aus Belgien oder Tschechien – stark zugenommen. Dadurch ist Bier mehr zum Thema geworden. Gleichzeitig sind aber auch die heimischen Brauerein mehr gefordert.

Inwiefern?

Seidl: Wir haben ja ein sehr gutes Bier in Österreich. Der Drang, es besser zu machen, war daher in der Vergangenheit gering. Nach der Übernahme der Brau Union durch Heineken haben aber viele kleine Brauereien gesagt: Wir zeigen, dass wir besser sind. Und Konkurrenz belebt ja das Geschäft.

Die Tiroler Brauerei Zillertal Bier hat vergangene Woche ihr erstes Bio-Bier präsentiert. Geht der Trend in diese Richtung?

Seidl: Das machen immer mehr. Vor 20 Jahren haben die Brauer gesagt: Jedes Bier ist bio. Das stimmt natürlich nicht. Die Zutaten müssen aus biologischem Anbau stammen. Aber wenn man das zu groß draufschreibt, taucht schnell die Frage auf: Was kommt da sonst rein? Aber ein Bier kauft man sicher nicht in erster Linie, weil es bio ist. Zunächst muss es einmal schmecken.

Mit Martin Sieberer verfügt Tirol über einen Spitzenkoch, der das Kochen mit Bier, aber auch den Genuss des richtigen Bieres zum jeweiligen Gericht propagiert. Was halten Sie davon?

Seidl: Das ist eine ganz wichtige Sache. Die Österreicher trinken ja zu 62 Prozent Märzen. Wer das zu einem Fisch bestellt, sagt dann, dass das nicht zusammenpasst. Aber zu Fisch passt zum Beispiel ein Weißbier hervorragend. Stoutbier wiederum ist ideal zu Grauschimmelkäse. Und Märzen schmeckt unschlagbar gut zu dünn aufgeschnittenem, mit ein bisschen Kernöl beträufeltem Parmesan. Bierkäse geht übrigens am besten mit Alt-Bier.

Das Gespräch führte Christian Willim


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