„Erfolg bedeutet, Chancen zu nutzen“

Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner wollen beim Song Contest in Baku „neue Maßstäbe in Sachen Geilheit“ setzen. Mit der TT haben die Trackshittaz über Ehrgeiz, Buchmacher, Kapellen und Traktor-Tuning gesprochen.

  • Artikel
  • Diskussion

Ist euer Traktor schon fit für Aserbaidschan? Und wann müsstet ihr losfahren, um rechtzeitig zum Song-Contest-Semifinale am 22. Mai in Baku zu sein?

Lukas Plöchl: Von Freistadt bis nach Baku sind‘s circa 3700 Kilometer – ausgehen würde es sich also, weil ein aufgemotzter Traktor ungefähr 30 km/h fährt. Da bräuchten wir dann 15 Tage. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob das überhaupt erlaubt ist.

Manuel Hoffelner: Das Problem ist eher, dass wir bei den Grenzübergängen immer zwei, drei Tage Wartezeit einrechnen müssen. Dann wird‘s auch schon wieder eng.

Plöchl: Wir fahren einmal weg – ob wir dann auch ankommen, wissen wir halt noch nicht.

Glaubt man den aktuellen Wettquoten, dann lohnt sich der Aufwand gar nicht. „Woki mit deim Popo“ rangiert bei den Buchmachern auf den hinteren Rängen, die Chancen auf einen Finaleinzug sind gering. Frustriert oder motiviert das?

Plöchl: Ich hör‘ das ehrlich gesagt zum ersten Mal – und ich persönlich halte nicht viel von diesen Quoten. Denn wenn alles so berechenbar wäre, dann müsste ja immer der Favorit gewinnen – und das ist nicht der Fall. Dass es nicht leicht wird, wissen wir, aber es gibt auch viele Punkte, die für uns sprechen: Wir sind nicht Teil irgendeiner Song-Contest-Maschinerie, sondern stehen da als zwei Jungs aus Österreich, die sich nicht verstellen und ihren Song auch selber geschrieben haben. Das hat eine ganz eigene Energie und Authentizität – und hebt uns vom Rest der Teilnehmer ab.

Ihr gehört zu den wenigen, die in der eigenen Landessprache singen – grenzt man sich damit selber aus?

Hoffelner: Nein, damit sticht man heraus. Für uns wäre es auch gar kein Thema gewesen, auf Englisch zu singen. Das passt nicht zu uns. Abgesehen davon haben wir das Lied ja zu einem Zeitpunkt geschrieben, als wir noch nicht gewusst haben, dass wir beim Song Contest mitmachen. Und jetzt sind wir sehr froh um diesen Song, weil wir damit wir selber sind – und sicher auch viel Spaß haben.

Plöchl: Für mich hat das auch mit Selbstverwirklichung und mit Mut zu tun – wir haben nicht Angst davor, dass uns keiner versteht. Wir stellen uns auf diese Europa-Bühne und haben dort die Möglichkeit, unser Lied in die Welt hinaus zu schießen. Letzten Endes wollen wir das zeigen, was wir gerne machen und nicht irgendeinen Mischmasch, den die Leut‘ gerne hätten.

In eurem Semifinale gehen auch die sechs kultverdächtigen russischen Omis an den Start, die im Falle eines Sieges eine Kirche in ihrem Heimatdorf errichten wollen. Was macht ihr, wenn ihr den Song Contest als Sieger verlasst? Kriegt Freistadt dann womöglich eine Trackshittaz-Kapelle?

Plöchl: (lacht) In Freistadt gibt‘s eine fünfschiffige Kirche – angeblich die einzige in ganz Österreich. Deshalb glaub‘ ich nicht, dass die eine andere Kirche haben wollen. Eine Kapelle gibt‘s also nicht – aber wenn wir wirklich gewinnen sollten, dann geben wir sicher irgendwas an unsere Heimat zurück. Aber anstatt von einem Sieg zu träumen, träume ich lieber von dem, was wir selber in der Hand haben. Und das ist ein bombastischer Auftritt. Deshalb haben wir auch ein Konzept und einen Trainingsplan erstellt, der in mehrere Phasen unterteilt ist. Und mit uns gemeinsam arbeiten zig Leute, die alles dafür tun, damit unsere Ideen Wirklichkeit werden. Und das pusht einen total im Kopf.

Man hat manchmal das Gefühl, dass Lukas der redselige Teamleader ist und Manuel nur schwer zu Wort kommt. Wer hat bei euch tatsächlich das Sagen?

Hoffelner: Wir sind ein normales Duo – mit charakterlichen Unterschieden. Lukas ist mehr das Kampfvieh und ich bin mehr der Lean-Back-Typ. Aber das ist okay so.

Ihr gebt zu, dass euer Niveau nicht das höchste ist. Wenn‘s nicht mit Niveau ist, womit wollt ihr beim Liederstreit dann punkten?

Hoffelner: Wir wollen einfach eine Super-Show abliefern und dafür sorgen, dass „Woki mit deim Popo“ den Leuten ins Hirn eingebrannt wird und sie sich nach unserem Auftritt denken: „Das war so geil, das will ich noch einmal sehen.“

Beim heimischen Vorentscheid habt ihr mit einer abgefahrenen UV-Show Conchita Wurst aus dem Rennen gekickt. Was habt ihr für Baku geplant?

Plöchl: Es gibt kein UV-Licht, das kann ich schon mal verraten. Erstens wäre es rein technisch nicht möglich und zweitens wollen wir ja auch nicht immer mit demselben Schmäh daherkommen. Es wird also etwas anderes geben, das sicher noch spektakulärer wird – aber mehr verraten wollen wir nicht. Nur mit UV ist Schluss. Wer das will, muss ins Solarium gehen.

In Aserbaidschan werden Menschenrechte mit Füßen getreten und der Ruf nach Freiheit wird mit Gefängnis bestraft. Mit welchen Gefühlen fahrt ihr dorthin?

Plöchl: Ich bin da immer ganz vorsichtig. Ich hatte eine ähnliche Ausgangssituation mit China, wo ja mein Papa herkommt. Und im Westen wird da immer von Todesstrafe, Minderheitenunterdrückung und Einschränkung der Meinungsfreiheit berichtet. Mit 15 war ich dann einen Monat dort und habe eigentlich etwas ganz anderes gesehen, als ich erwartet habe. Viele Menschen dort sind mit ihrer Situation zufrieden. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich pro China bin, aber ich bin auch nicht total kontra. Und deshalb will ich mir auch die Situation in Aserbaidschan selber anschauen und herausfinden, was dort los ist. Man darf nicht alles glauben, was die Medien sagen – deshalb ist‘s am besten, sich mit eigenen Augen ein Bild zu machen.

Österreich hat beim Song Contest schon viele Niederlagen eingesteckt – habt ihr nicht Angst, dass euch ein mögliches Scheitern die Karriere vermasselt?

Hoffelner: Wir können uns nichts kaputt machen, weil wir kein typischer 08/15-Song-Contest-Act sind, der nur auf diesen Abend hingetrimmt ist.

Plöchl: Es heißt doch auch, dass eine Castingshow nur schaden kann – aber ohne „Helden von Morgen“ hätten wir niemals 150.000 Platten verkauft. Erfolg bedeutet, dass man Chancen erkennt und Chancen auch nützt.

Und welche Chance rechnet ihr euch für Baku aus?

Hoffelner: Wir träumen von einem ersten Platz – das verlangt unser Ehrgeiz.

Plöchl: Rechnen wird überbewertet. Aber wir wollen schon einen neuen Maßstab in Sachen Geilheit setzen.

Das Gespräch führte Christiane Fasching


Kommentieren