Kühlung in Befruchtungsklinik fiel aus: Embryonen aufgetaut

Die Proben von 34 Paaren sind unbrauchbar geworden. Sie wollen Die Klinik jetzt auf Schadenersatz verklagen.

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Rom – Schwerer Rückschlag für zahlreiche italienische Paare, die sich in ihrer Vezweiflung wegen eines unerfüllten Kinderwunsches an die römische Befruchtungsklinik „San-Filipp-Neri“ gewandt haben.

Dort ist aus unbekannten Gründen die Kühlung ausgefallen. Durch den Anstieg der Temperaturen von minus 196 Grad auf 20 Grad wurden neben Embryonen auch 130 Eizellen und fünf Samenproben zerstört. Das berichtet die Tageszeitung „Der Standard“ in ihrer Dienstags-Ausgabe.

Bisher ist noch nicht geklärt, warum das Alarmsystem, das in solchen Fällen aktiv werden sollte, nicht angeschlagen hat. Der Direktor des Krankenhauses macht das Unternehmen „Air Liquid“, das die Klinik mit flüssigem Stickstoff zur Kühlung beliefert, verantwortlich.

Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte, dass die Sicherheitsbestimmungen wohl nicht eingehalten worden seien. Inzwischen hat das italienische Gesundheitsministerium eine Untersuchungskommission eingerichtet, die die Schuldfrage untersuchen soll. Der Staatsanwalt ermittelt in Richtung menschliches Versagen, weil der Fehler erst nach mehreren Tagen entdeckt wurde.

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Eltern wollen klagen

Für die betroffenen Eltern ist das freilich ein schwacher Trost. Die 34 Betroffenen wollen das Zentrum zum Großteil verklagen. „Mein Mann und ich versuchen seit zehn Jahren, ein Kind zu bekommen. Wir hatten vier Embryonen eingefroren. Eines sollte in wenigen Tagen eingepflanzt werden. Jetzt sind unsere Hoffnungen zunichte“, zitiert der „Standard“ eine Betroffene.

Der Leiter der römischen Klinik, Francesco Timpano, hat angekündigt, dass sich das Krankenhaus im Falle eines Gerichtsverfahrens als geschädigte Partei anschließen will.

In Italien herrschen hinsichtlich künstlicher Befruchtung besonders strenge Regeln. Auch die Wartezeiten sind deutlich länger als in anderen europäischen Ländern. Dennoch planen derzeit rund 70.000 Paare auf diesem Weg ihren unerfüllten Kinderwunsch endlich zu erfüllen. (tt.com)


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