Von Gärtnern, Petzen und Dieben

Tannenhäher, Elstern und Eichelhäher gehören zu den Rabenvögeln. Abgesehen davon haben sie aber wenig gemeinsam. Die einen sind Gärtner des Waldes, die anderen notorische Diebe und die dritten verpetzen gerne Jäger.

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Bei der Balz werden die roten Schwellkörper um die Augen der Fasane größer und das glänzende Gefieder wird zur Schau gestellt.Foto: PantherStock

Die kleinen blauen Federn sind es, die der Jäger gerne auf seinem Hut trägt, wahrscheinlich nicht nur, weil die Federn schön sind, sondern weil eine alte Feindschaft zwischen Jägern und Eichelhähern besteht. Eichelhäher verpatzen dem Weidmann so manchen Pirschgang, denn diese scheinen den Grünrock gleich als Jäger zu erkennen, stimmen ein mörderisches Ratsch-Konzert an und warnen so das scheue Wild des Waldes.

Der Eichelhäher bewohnt Laub- und Mischwälder und kommt natürlich gerne in unsere Gärten, um Haselnüsse zu ernten oder im Winter beim Futterhäuschen Sonnenblumenkerne abzuholen. Wie bei allen Rabenvögeln überwiegt im Sommer und bei der Aufzucht von Jungen die tierische Nahrung, wobei wir Menschen ihnen die Würmer, Schnecken und Insekten von Herzen gönnen, aber beim Ausräumen von Nestern kleinerer Vögel die Raben als Nesträuber bezeichnen. Aber im Kreislauf der Natur ist dies genauso vorgesehen, wie eben der Fuchs den Hasen frisst. Besonders verrufen für diese „Räuberei“ ist die Elster, die nicht nur deshalb als „diebisch“ bezeichnet wird.

Im Nahbereich des Menschen erntet sie nicht nur an Kirschbäumen und plündert Vogelnester, glitzernde Gegenstände interessieren sie besonders. Ihr schwarzweißes Gefieder und der lange Schwanz machen die Elster zu einem unverwechselbaren Vogel. Da im Stadtgebiet ihre natürlichen Feinde, Habicht und Wanderfalke, meistens fehlen, vermehren sie sich überdurchschnittlich stark und kommen oft in richtigen Schwärmen vor. Auch Elstern schlagen mit einem Dauerruf „schack-schack-schackerack“ bei jeder Gefahr Alarm und warnen so ihre Mitbewohner.

Prächtig ist auch unser Tannenhäher, der die Nadelwaldungen der Gebirge besiedelt und im Winter nur gelegentlich ins Tal kommt, um bei geringer Schneelage Futter zu suchen. Die Zeichnung dieses Vogels ist unverwechselbar, denn seine schokoladebraune Grundfarbe ist mit weißen tropfenartigen Flecken durchzogen. Sein Schwanz ist schwarz und ziemlich kurz, nur die Unterseite ist weiß gefärbt.

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Unser Alpentannenhäher hat einen dicken, kräftigen dunklen Schnabel und der unterscheidet ihn deutlich vom dünnschnäbligen sibirischen Verwandten, der in manchen Wintern fast flächendeckend Mitteleuropa heimsucht. Niemand weiß genau, ob die jeweilige Witterung, Futtermangel oder aber ein besonders erfolgreiches Aufzuchtjahr die Ursache für diese Wanderungen darstellen. Bei uns in den Alpen heißt der Tannenhäher auch „Zirbengratschen“, ein Name, bei dem seine Lieblingsnahrung und seine Lautäußerung zusammengefasst werden. Häher verzehren im Herbst und Winter besonders gerne Nüsse aller Art, wobei sie speziell für Hasel- und Walnüsse richtige „Schmieden“ benützen. In eine enge Astgabel oder einen Holzspalt wird die Nuss hineingesteckt und dann fast nach der Manier der Spechte die Schale aufgehackt. Wir können Tannenhäher beim Suchen und Stochern beobachten, egal ob im Wald oder, bei niederer Schneelage, in der hochgelegenen Zirbenregion. Häher sind nämlich die „Gärtner des Waldes“ sie sammeln Sämereien im Kropf und was sie nicht unmittelbar zum Sattwerden brauchen, wird vergraben.

Natürlich ist dieses Verhalten den Tieren angeboren und doch scheint es unglaublichen Gesetzen zu gehorchen.

Tannenhäher vergraben Zirbennüsse nicht irgendwo, sondern nur unmittelbar im Lebensraum dieses Baumes im Hochgebirge, der Samen wird in der Nähe von Steinen oder umgestürzten Bäumen versteckt. Zuerst hackt der Vogel ein Loch in den Boden, dann würgt er die Zirbennuss heraus und bedeckt sie im Loch wieder mit Erde. Wissenschaftliche Untersuchungen im Alpenzoo Innsbruck, jahrelange Haltungs- und Zuchterfolge machten dies möglich, haben ergeben, mit welch unglaublicher Präzision Tannenhäher nach Monaten die versteckten Zirbennüsse wieder finden. Im Freiland haben die Häher auf der Wind abgewandten Seite von Steinen und Stämmen große Chancen, ihr Futter im Winter wieder zu finden, zumal dort weniger Schnee hinkommt und dieser durch Abstrahlung schneller schmilzt. Sollte die Nuss jedoch nicht wieder geholt werden, so ist dies der optimale Standort für ein heranwachsendes Bäumchen. Geschützt wächst die junge Zirbe heran und es dauert Jahre, bis diese Pflanzen groß und kräftig genug sind, um ohne seitlichen Schutz sicher überleben zu können.


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