Delagos Suche nach der Wahrheit der Musik

Den musikalischen Globetrotter Hermann Delago lässt sie nicht los, seine Leidenschaft zur Musik und jene zur Entdeckung neuer Welten.

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Von Hubert Trenkwalder

Zams –Das Herz des stolzen Vaters hat höhergeschlagen, das muss er schon zugeben. Der Zammer Musiker und Multiinstrumentalist Hermann Delago war einmal nicht selbst auf der Bühne, sondern im Publikum in London, seinem Sohn lauschend – der wiederum vom 20-köpfigen Streicherensemble des London Symphony Orchestra begleitet wurde!

„Das ist natürlich keine alltägliche Geschichte, ich freu‘ mich über den Weg, den Manu eigenständig und so erfolgreich geht.“ Manu Delago, Sprössling des Oberländer Musikers Hermann, hat mit seinem „Hang“ – einem noch recht jungen Percussion-Instrument – Karriere gemacht, lebt in Großbritannien, tritt mit Popstars auf. Und der Vater kümmert sich derweil um die Zukunft der Tiroler Blasmusik. Er dirigiert als Kapellmeister die Stadtmusik Landeck-Perjen sowie seit einigen Jahren auch die Stadtmusik Imst. Die Leidenschaft zum klingenden Blech könnte Hermann Delago auch ererbt haben, immerhin war auch sein Vater 24 Jahre Kapellmeister in Perjen und Sohn Hermann führt diese Tradition nunmehr seit 23 Jahren fort.

Delagos Pläne für 2012 sind ambitioniert wie eh und je: „Mit der Stadtmusik Landeck-Perjen gibt es am 1. Mai im Rapoldipark in Innsbruck ein Showkonzert gemeinsam mit Klaus Schubert und Fredi Gigele von No Bros, sozusagen eine musikalische Reise in die Vergangenheit dieser Tiroler Rockformation.“ Das Projekt firmiert unter dem Titel „No Brass“ und wird am 12. Mai im Rahmen des TschirgArt-Festivals Imst auch im Tiroler Oberland gastieren. Außerdem folgt am 25. Mai noch das große Maikonzert der Perjener im Stadtsaal Land­eck.

Die Arbeit mit seinem zweiten Orchester, der Stadtmusik Imst, freut Delago nicht minder: „Unsere Sommerkonzerte in Imst haben schon einen recht kultigen Status, bis zu 1000 Zuhörer kommen pro Konzert. Das hat mit den Platzkonzerten, wie man sie von früher kennt, nicht mehr viel zu tun.“ Besonders am Herzen liege ihm auch das Konzert „IMSTrumental“ am 5. Mai im Glenthof.

Die Entwicklung der Blasmusik in Tirol beurteilt Delago durchwegs positiv: „Die Wahrnehmung ist heute eine ganz andere, es wird professioneller gearbeitet, das beginnt schon bei der fundierten Ausbildung der Jungmusikanten.“ Ihm sei es von Beginn an wichtig gewesen, neue Elemente einzubringen, moderne Arrangements, neue Literatur. Das alles mache die Blasmusik lebendiger, meint Delago, der diese Entwicklung in Tirol in den vergangenen 23 Jahren als Kapellmeister entscheidend mitgeprägt hat.

Man kann kaum glauben, dass neben all diesen Aktivitäten noch Zeit bleibt, um eine vollkommen neue Richtung einzuschlagen. Der Weltmusiker hat sich nämlich verliebt, in eine kleine Insel am anderen Ende der Welt namens Samosir in Indonesien. Die Sprache dort nennt sich Batak und die Musik, die er auf seinen Reisen dorthin kennen lernte, inspirierte Hermann Delago zu einem wahrhaft hörenswerten musikalischen Dialog. „Tobatak“ heißt sein Album, das er gemeinsam mit dem dort beheimateten jungen Musiker Viky Sianipar produzierte.

Dieser ist in seiner Heimat ein Superstar und Delago schwärmt in höchsten Tönen von dessen Talent. „Auch für mich war dieses Projekt eine Herausforderung, erstmals bin ich als Sänger in Erscheinung getreten.“

Nicht nur musikalisch, auch als Mensch hat Delago in Sumatra eine zweite Heimat gefunden und seine von dort stammende Frau Dina den alten Zeremonien folgend auf der Insel Samosir inmitten des riesigen Kratersees Toba geheiratet. Das ganze Dorf feierte an diesem Tag mit.

Die Suche nach der „Wahrheit der Musik“ habe ihn immer angetrieben, gefunden hat Hermann Delago sie sprichwörtlich zwischen den Notenzeilen. Ob in Perjen, in Imst oder im Norden Sumatras, man darf gespannt sein, wo es den kreativen Weltmusiker in den kommenden Jahren noch hinverschlägt, auf seiner spannenden musikalischen Reise.

Das Album ist im gut sortierten Fachhandel erhältlich. Informationen über das Schaffen von Hermann Delago gibt es auf www.delago.at.


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