Beschwerden beim Heer: „Werde euch wetzen, bis ihr Blut speibts“

2011 gab es 504 Beschwerden an die parlamentarische Bundesheerkommission, was eine Zunahme um fast 50 Prozent gegenüber 2010 bedeutet.

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Wien – Die Beschwerden beim Bundesheer sind im Vorjahr deutlich angestiegen. 2011 gab es 504 derartige Meldungen an die parlamentarische Bundesheerkommission, das ist eine Zunahme um fast 50 Prozent gegenüber 2010 (337 Beschwerden). Den Grund für diese Zunahme wisse man allerdings nicht, erklärte Kommissions-Vorsitzender Paul Kiss (V) am Dienstag bei der Präsentation des Jahresberichts des Gremiums im Parlament.

Insgesamt wurden 3421 Anfragen an die Kommission herangetragen. In 504 Fällen wurden Beschwerdeverfahren eingeleitet, 78 Prozent der Beschwerden wurde Berechtigung zuerkannt. 39 davon wurden im Zusammenhang mit Beschimpfungen eingebracht, 19 betrafen Missstände bei Auslandseinsätzen, 15 unzureichende ärztlicher Betreuung. 84 richteten sich gegen Missstände im Rahmen der Ausbildung. Im Folgenden einige im Bericht angeführte Beispiele:

Beschimpfungen

Im Zuge der Grundwehrdiener-Ausbildung tätigten Unteroffiziere dem Bericht zufolge wiederholt Aussagen wie „I reiß da in Sack aus und scheiß da in Hals hinein!“ oder „Ich bin umgeben von Vollidioten“. Auch die Intelligenz der Rekruten wurde von Ausbildner recht derb in Zweifel gezogen: „Du hast einen Intelligenzquotienten wie eine Bodenfliese“, „Sautrottel“ oder „Depp“ umfasste hier das Repertoire an „unangebrachten Ausdrucksweisen“, wie es im Bericht heißt. Auch Drohungen kamen vor: „Ich werde euch wetzen, bis ihr Blut speibts“.

Auch aus der Werbung nahmen Ausbildner Anleihe: Rekruten, die wegen einer Stehbefreiung bei der Exerzierdienstausbildung einen Sessel mitnehmen mussten, wurden „Möbelixkompanie“ genannt. Beschwerden wurden mit derben Sätzen wie „Wer sudert, wird pudert“ zurückgewiesen.

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Schikanen

Weil nach der WC-Reinigung durch einen Rekruten eine Schokoriegelverpackung auch nach mehreren Spülvorgängen obenauf schwimmend vorgefunden wurde, musste der Rekrut gemeinsam mit einem zweiten den gesamten Sanitärbereich erneut grundreinigen. Alle anderen Rekruten mussten in der Zwischenzeit mit dem (schweren) Kampfanzug 3 auf einem Hügel 30 bis 45 Minuten hinauf- und hinunterlaufen, bis die Reinigung erfolgreich abgeschlossen war.

Ein Grundwehrdiener, der als Kraftfahrer tätig war, sprach einen Oberst irrtümlicherweise als „Hauptmann“ an. Der Oberst erteilte dem Rekruten daraufhin den Befehl, eine „Kampfdeckung“ auszuheben. Da der Fortschritt seiner Bemühungen aufgrund der Bodenbeschaffenheit bescheiden war, musste der Rekrut dann an einem anderen Ort weitergraben - insgesamt zwei Stunden lang. (TT.com, APA)


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