Verbot bietet weniger Schutz

Laut Caritas-Expertin arbeiten nur bis zu fünf Prozent der Prostituierten freiwillig. Legale Bordelle bieten mehr Opferschutz als ein Verbot der Prostitution.

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Klagenfurt –In Kärnten findet eine Diskussion über ein generelles Verbot der Prostitution statt. Angeheizt hatte die Debatte ursprünglich ein im Milieu ermittelnder Polizist, der illegale Prostituierte gedeckt haben soll. Erneut angefacht wurde die Diskussion durch die erschreckende Geschichte eines 15 Jahre alten Mädchens aus Rumänien, das in einem Klagenfurter Bordell zur Prostitution gezwungen (siehe unten) und von der Polizei befreit worden war.

Die Caritas-Mitarbeiterin Silke Mallmann leitet in Kärnten eine Beratungsstelle für Sexarbeit und Opfer von Menschenhandel, lässt mit ihrem Debattenbeitrag aufhorchen. Sie spricht sich für ein Mindestalter für Prostituierte von 21 Jahren, Bordelle mit weniger Sexarbeiterinnen und Zugang für Opferschutzorganisationen aus.

Ein generelles Verbot der Prostitution gehört nicht zu ihrem Forderungskatalog: „In Bordellen ist sicher nicht alles in Ordnung. Nur kann man dort Dinge, die nicht in Ordnung sind, auch entdecken. Wenn Prostitution ganz verboten ist – wie in Schweden – geht die Rotlichtszene in den Untergrund. Und am Straßenstrich und in der Wohnungsprostitution gibt es gar keine Kontrollen mehr. In Bordellen hat der Opferschutz zum Teil Zugang, auch die Polizei überprüft. Wenn die Frauen grün und blau geschlagen in einer Wohnung eingesperrt sind, da geht gar nichts mehr. Das bekommen wir erst mit, wenn ein Ring auffliegt.“

Den Anteil der wirklich freiwillig im Sexgewerbe arbeitenden Frauen schätzt die Beraterin auf „drei bis fünf Prozent“. Der Großteil der Frauen bleibt wegen ökonomischen Drucks in der Szene. „Diese Frauen sind einmal dem Menschenhandel zum Opfer gefallen und wissen oft gar nicht, dass sie betrogen wurden. Jetzt sagen sie sich: Von dem, was ich verdiene, leben meine Kinder, meine Familie zu Hause.“ Bei wie vielen Sexarbeiterinnen wirklich akute Gewaltandrohung bestehe, sei aber schwer zu sagen. „Da gibt es den Zuhälter, oft gleichzeitig der Lebensgefährte. Der lebt von ihrer Arbeit und wenn sie das Geld nicht heimbringt, kann es schwierig werden. Bis eine von diesen Frauen sagt ‚Ich bin gehandelt worden‘, muss einiges passieren. Sich das selbst einzugestehen, ist auch aus einem gewissen Selbstschutz heraus hart.“

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Als „großes Problem“ bewertet Silke Mallmann Dumpingpreise im Sexgewerbe: „Bei einer Aktionswoche – wenn man derartige Werbungen sieht – wird die Menschenwürde mit Füßen getreten.“ (APA, TT)


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