Wenn er fährt, hat die Gravitation nichts zu melden

Senad Grosic aus Tulln wird nicht umsonst von Red Bull gesponsert: Er ist der erfolgreichste österreichische BMX-Fahrer.

  • Artikel
  • Diskussion

Senad, 50 Tiroler BMX-Fans feilten am Montag bei deinem Workshop vor der Sports-Experts-Filiale in Völs an ihren Tricks. Was rätst du Laien-Bikern für das Fahren in der Halfpipe? Schließlich sind Mut und Kreativität zwar gefragt – aber nicht Tollkühnheit.

Senad Grosic: Zunächst sage ich immer, dass sie sich eine Schutzausrüstung besorgen sollen. Es bringt nichts, cool sein zu wollen und ohne Helm in der Pipe zu fahren, dann aber tagelang nicht fahren zu können, weil sie verletzt sind. Beim Fahren sollten sie sich zwar mit Freunden duellieren, aber nicht an YouTube-Videos orientieren. Die können geschnitten oder von Profis sein und zu üblen Unfällen bei Laien führen.

Apropos Unfälle: Gesetzt dem Fall, du wärst noch kein Profi – würdest du trotz erlittenen Kollateralschäden – wie Knochenbrüchen – den steinigen Weg zum BMX-Profi wieder einschlagen?

Grosic: Der Weg war wirklich steinig. Gerade am undankbaren Anfang, als noch enormer Kraftaufwand und viele Verletzungen an der Tagesordnung standen. Vor allem wird es immer schmerzhafter, je besser man wird, weil man dann neue, gefährlichere Tricks ausführen kann. Der Spaßfaktor ist aber riesig – ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Entweder man liebt etwas oder nicht.

Du bist mit 33 Jahren schon eher ein älteres BMX-Semester – sieht du das als Vorteil, weil Jugendliche vielleicht mehr zu dir aufblicken und du über mehr Erfahrung verfügst, oder als physischen Nachteil?

Grosic: Mein Lieblingsfahrer Jamie Bestwick aus den Vereinigten Staaten ist 41 Jahre alt. Bei BMX in der Halfpipe sind viele Fahrer älter. Für mich ist mein Alter daher eher ein Vorteil, weil, wie du sagst, Jugendliche mehr zu mir aufblicken. Physisch fühle ich mich wie eh und je. Ich feiere nur nicht mehr am Abend vor Contests und mache mehr Ausgleichssport.

Du hast für Sports Experts eigene BMX-Bikes entworfen – was macht ein gutes Fahrrad aus?

Grosic: Man muss sich darauf wohlfühlen, ganz banal gesagt. Ich bin etwa kürzlich auf einem Waffenrad gefahren ...

Was darf sich der Laie darunter vorstellen?

Grosic: Ein Altherrenfahrrad. Es sah wild aus, fuhr sich aber grandios.

Und worauf sollte man beim Kauf sonst achten?

Grosic: Auf die Balance von Vorder- und Rückseite des Bikes, die Rahmengeometrie, die Qualität der Komponenten und die Rahmenlänge.

Wie sah die Evolution des BMX-Bikes aus – von der Zeit, in der du angefangen hast, bis heute?

Grosic: Vor 16 Jahren haben die Bikes 20 Kilo gewogen und in ganz Österreich gab es kein Geschäft, das sie verkaufte. Ein Kumpel bestellte Teile aus den USA und dem einzigen Bike-Shop in Deutschland. Wir haben dann selbst unsere Bikes gebaut. Eines kostete damals 11.000 Schilling. Heute bekommt man ein super Fahrrad für 300 Euro, das wegen der neuen Materialien höchstens zehn Kilo wiegt.

Hast du Tipps, wie man sein Bike vor Dieben sicher abschließen kann?

Grosic: Nein. Weil ich mein Fahrrad nie aus den Augen lasse. Entweder ich schließe es im Auto ein oder ich lege es einen Zentimeter neben mir auf den Boden.

Die banale Frage zum Tag: Lässt du es nicht aus den Augen, weil es so kostspielig ist oder weil es dein Unikat-Bike ist?

Grosic: Es ist mein Baby. Ich habe jede Schraube einzeln ausgesucht.

Was hältst du von der BMX-Szene in Tirol?

Grosic: Die ist wohl die größte in ganz Österreich! Ich bin immer wieder ganz begeistert von den coolen Tiroler Burschen. Die geben sich mit ihren BMX-Contests richtig Mühe und fördern die jungen Talente.

Wie sieht ein typischer Tag von Senad Grosic aus?

Grosic: Auch wenn das jeder vermutet, ich sitze nicht jeden Tag auf dem Bike – aber sicher sechs Mal die Woche. Morgens gehe ich laufen, trainiere Ausdauergeschichten, esse was, gehe biken, dann wieder Ausdauertraining und abends unternehme ich oft was mit meinen Freunden.

Und was ich unbedingt noch festhalten muss: Danke Mama, dass du mir mein erstes Bike gekauft hast.

Das Interview führte Judith Sam


Kommentieren


Schlagworte