Nach Elternmord in Bayern: Rolle der Tochter immer fragwürdiger

Die 17-jährige Tochter der Opfer hatte angegeben, ihr Ex-Freund habe sie gezwungen, bei der Beseitigung der Leichen zu helfen. Doch neue Details lassen diese Aussagen immer mehr anzweifeln.

  • Artikel
  • Diskussion

Notzing – Welche Rolle hat Cornelia R. (17) tatsächlich bei der Ermordung ihrer Eltern Franz (60) und Heidi (54) gespielt? Diese Fragen rollen derzeit Ermittler der Polizei Landshut auf. Wie berichtet, war das Ehepaar in seinem Haus in Notzing erstochen worden, der 21-jährige Ex-Freund der Tochter hat die Tat kurz darauf gestanden.

Ein Haftbefehl ging dann aber nicht nur an den Burschen – auch die Tochter der Opfer geriet ins Visier der Ermittler. Sie soll bei der Beseitigung der Leichen geholfen haben, hieß es. Der Bruder des Mädchens hatte die Blutspuren im Haus gefunden – zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern schon einige Tage verschwunden. Das Mädchen hatte weiterhin in dem Haus gewohnt.

Bei der Einvernahme gab sie an, der Ex-Freund habe sie unter Druck gesetzt und zur Beseitigung der Leichen gezwungen. Daraufhin wurde das Mädchen in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Jetzt zweifeln Ermittler allerdings die Zwangs-Theorie des Mädchens an. Denn es gibt neue Details zur Beseitigung der Leichen. So soll das Pärchen zunächst versucht haben, den toten Vater anzuzünden. Weil das nicht geklappt hatte, versuchten sie, den Körper bei einem nahegelegenen Weiher zu vergraben. Auch das scheiterte, weil der Boden zu hart war.

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Also fuhren sie zurück zum Haus und vergruben ihn schließlich gemeinsam mit der toten Mutter im Garten. Die Grabungsarbeiten sollen drei Stunden gedauert haben.

Im Anschluss soll das Paar zum Einkaufen gefahren sein – um Putzmittel und Farbe zu besorgen. Sie beseitigten die Blutspuren und übermalten Blutspritzer an den Wänden. Denn der 21-Jährige soll die beiden Notzinger mit dem Messer erstochen haben. Die Leichen wiesen zahlreiche Stichwunden auf.

Nach der Beseitigung sollen sich die beiden sogar noch in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders einen gemütlichen Fernsehabend gemacht haben. In den folgenden Tagen verbrachte die 17-Jährige ihre Zeit wieder im Elternhaus. Ihrem Bruder, der immer wieder anrief und nach den Eltern verlangte, erzählte sie, dass diese verreist seien. Dafür hatte sie zuvor den Wagen der Eltern zum Erdinger S-Bahnhof gestellt.

Der Bruder glaubte die Geschichte allerdings nicht und schaute selbst im Haus nach. Er bemerkte die Blutspuren, die nicht ganz beseitigt worden waren, und rief sofort die Polizei an. Dadurch flog alles auf – die Leichen wurden schnell gefunden.

„Solch abgebrühte Vertuschungshandlungen haben wir noch nie erlebt“, zeigte sich jetzt auch der ermittelnde Staatsanwalt Ralph Reiter entrüstet. Das Mädchen beharrt weiterhin darauf, gezwungen worden zu sein. Über das Motiv schweigen sich die beiden unterdessen aus. Die Ermittler vermuten, es könnte damit zu tun haben, dass die Eltern das Mädchen vor einigen Wochen dazu gezwungen hatten, sich von dem 21-Jährigen zu trennen. (tt.com)


Kommentieren


Schlagworte