Erkenntnisse eines CL-Abends: Alaba ist der bessere Lahm

Barcelona und Bayern stehen im CL-Halbfinale. Nicht die einzige Beobachtung an einem wenig spannenden Fußballabend.

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Erkenntnis 1: Alaba ist der bessere Lahm

David Alaba hat beim 2:0-Sieg der Bayern gegen Marseille einmal mehr vorgezeigt, wie ein moderner linker Außenverteidiger heutzutage agieren muss. Bezeichnend dabei seine Vorarbeit zum 2:0 durch Ivica Olic in der 37. Minute. Ballgewinn an der eigenen Eckfahne, Doppelpass mit Ribery, Hinterlaufen im Hochtempo, Stanglpass, Tor. So einfach kann Fußball sein - und so schnell noch dazu. Handgestoppte 15,5 Sekunden benötigte der ÖFB-Teamspieler für die 90 Meter Spielfeldlänge in der Allianz-Arena.

„Vielleicht stimmt es ja gar nicht, dass Philipp Lahm sein Offenisv-Gen gefunden hat - er hat einfach David Alaba beim außenverteidigen zugesehen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung und lobt den 19-Jährigen weiter in höchsten Tönen: „Alaba spielt seit einigen Wochen links hinter Ribery und läuft, nein, man muss sagen, er rollt seitdem die linke Seite auf und ab. Alaba verteidigt hinten eifrig und bei erstbester Gelegenheit rollt er wie ein ICE auf dem Weg nach Wien am Franzosen vorbei.“

Philipp Lahm, sein Pendant auf der rechten Abwehrseite, ist immerhin Kapitän der Bayern und der deutschen Nationalmannschaft und bekleidete zuvor die linke Abwehrseite. Momentan ist aber Alaba der bessere Lahm.

„Er hat einen guten Charme und hat nicht abgehoben, nachdem er Stammspieler geworden ist“, meinte „Sky“-Experte und Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Alaba sei „die Entdeckung der Saison, denn die linke Seite spielt jetzt sehr stark.“

Erkenntnis 2: Marseille findet Aprilscherze gar nicht lustig

Ivica Olic hat die Franzosen mit seinen beiden Treffern am Dienstagabend quasi im Alleingang erledigt. Der Kroate wollte zuerst an seine Nominierung für die Startelf allerdings nicht so recht glauben. „Als Trainer Jupp Heynckes am Sonntag (Anm. 1. April) zu mir gekommen ist und mir mitteilte, dass ich von Beginn an spiele, dachte ich, das sei ein Aprilscherz“, erzählte Olic nach dem Halbfinaleinzug. „Heute kann ich darüber lachen, bin einfach nur überglücklich, dass ich wieder getroffen habe.“ Wetten, dass Marseille das gar nicht lustig fand.

Erkenntnis 3: „Catenaccio“ kein probates Mittel gegen Barcelona

Acht Minuten lang stand der AC Milan im Champions-League-Halbfinale (33. - 41. Minute). Nach dem zweiten Elfmetertor von Lionel Messi - übrigens sein 64. Pflichtspieltreffer in dieser Saison - kippte die Partie (3:1-Endstand) dann doch endgültig zugunsten der Katalanen. Da half auch der meist neun Mann starke italienische Abwehrriegel vor Torhüter Abbiati nichts. Messi, Iniesta und Co. fanden Gefallen daran, den Abwehrbeton der „Rossoneri“ zum Bröckeln zu bringen. Am Ende des Abends hatte Barca 21 Torschüsse zu Buche stehen. Ein weiterer Beleg dafür, dass „Catenaccio“ Barcelona nicht stoppen kann.

Erkenntnis 4: Der Titelverteidiger-Fluch lässt Barcelona kalt

Seit 1992/93 findet der ehemalige Europapokal der Landesmeister unter dem Namen Champions League statt. Seitdem ist es keinem Triumphator gelungen, seinen Titel im Folgejahr zu verteidigen. Allerdings trat auch noch kein Titelverteidiger so souverän auf wie der FC Barcelona in dieser Saison. „Das ist die mit Abstand beste Mannschaft der Welt“, musste selbst Milan-Legende Franco Baresi ehrfürchtig zugeben. „Sie haben einfach Spaß am Fußballspielen, lassen das Schwierige einfach aussehen.“

Die Favoritenrolle will Barca-Trainer Josep Guardiola allerdings nicht annehmen: „Da sind noch andere große Teams wie Bayern und Real im Rennen mit dabei. Wir haben in den letzten fünf Jahren jeweils das Halbfinale erreicht und zwei Mal den Pokal gewonnen, das ist stark. Die Trophäe zwei Mal in Serie zu gewinnen, wäre natürlich ein Traum, aber davon sind wir noch ein großes Stück entfernt.“

Zurückhaltung, die der Konkurrenz Sorgen bereitet. Barcelona weiß um seine Stärke ganz genau Bescheid, paart die fußballerische Klasse mit einer ordentlichen Portion Demut und Respekt. Vielleicht ist der Titelverteidiger-Fluch mit dieser Kombination zu besiegen. Gegen den AC Milan hat das auf jeden Fall schon sehr gut funktioniert. (tt.com)


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