„Sprit-Wahnsinn“: Tanken in Österreich so teuer wie noch nie

Kurz vor Ostern haben die Spritpreise in Österreich ein neues Rekordhoch erreicht. ÖAMTC und E-Control empfehlen den Autofahrern, die Preise noch mehr zu vergleichen.

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Innsbruck - Von „Abzocke“ oder „Sprit-Wahnsinn“ ist derzeit die Rede, wenn es ums Tanken geht. Die Treibstoffpreise klettern seit Wochen nach oben und liegen derzeit auf einem Rekordhoch. Der Preis für einen Liter Eurosuper durchbrach am Dienstag die Schallmauer von 1,50 Euro. Am Mittwoch lagen die höchsten Preise für Superbenzin bei 1,649 Euro pro Liter und für Diesel bei 1,599 Euro pro Liter.

Die Regulierungsbehörde E-Control erhebt zwar keine Vorwürfe gegen die Mineralölkonzerne, rechnet aber auch im April mit keiner Entspannung. Den Autofahrern wird empfohlen, die Preise noch mehr zu vergleichen. Der Zugriff auf den Spritpreisrechner, den die E-Control im Auftrag des Wirtschaftsministers betreibt, ist zuletzt um 30 Prozent gestiegen. „Die günstigsten Anbieter sind bis zu 23 Cent pro Liter billiger. Erkennt man auf der Fahrt ins Osterwochenende bei einer Tankstelle Super unter 1,5 oder Diesel unter 1,4 Euro, lohnt es sich nachzutanken“, empfiehlt der ÖAMTC.

Spritspar-Tipps des ÖAMTC

Der ÖAMTC gibt mehrere Tipps für wirtschaftliches Fahren: Fahrzeug, wenn möglich, in Bewegung halten, so gleichmäßig und konstant wie möglich fahren und Rollphasen so oft wie möglich nutzen. Darüber hinaus sollte man Geräte wie Klimaanlagen, Sitz- oder Standheizungen unbedingt ausschalten, wenn man sie nicht benötigt. Der Tempomat sollte hauptsächlich auf Autobahnen eingesetzt werden. Hilfe bietet der Bordcomputer.

Wichtig ist auch, dass das Fahrzeug in einwandfreiem Zustand ist: Zu geringer Reifendruck treibt den Kraftstoffverbrauch in die Höhe, ein verschmutzter Luftfilter, alte Zündkerzen oder eine fehlerhafte Elektrik reduzieren die Motorleistung und treiben den Verbrauch ebenfalls gewaltig in die Höhe. Außerdem sollte man Dachträger nach Gebrauch demontieren und keine unnötigen Lasten mitführen.

Österreicher tanken billiger als Nachbarländer

Falls es sich bei den hohen Spritpreisen wirklich um ein abgekartetes Spiel der Mineralölkonzerne handeln sollte, dann muss es eine internationale Verschwörung sein, denn in den meisten EU-Ländern werden die Autofahrer noch stärker zur Kasse gebeten als in Österreich. So empfahlen die Autofahrerclubs in Deutschland, auf der Fahrt in den Osterurlaub wenn möglich auch im benachbarten Österreich zu tanken. Denn in Deutschland liegen die Allzeithochs beim Spritpreis noch höher: Laut dpa verharrten die Benzinpreise in Deutschland am Dienstag auf dem Rekordhoch von 1,71 Euro je Liter Super. Für das in Deutschland verbreitete biospritversetzte Superbenzin E10 waren im Schnitt 1,68 Euro zu zahlen, für Diesel 1,53 Euro.

Kurz vor Ostern leiden auch die Italiener unter einem Rekord-Benzinpreis, der sie noch härter trifft als viele andere: Auf 1,90 Euro und mehr ist der Preis hochgeschnellt. In Rom lag er an manchen Tankstellen auch schon über der Schwelle von 2 Euro. Auch Diesel liegt nach der jüngsten Übersicht mit 1,795 Euro pro Liter auf Rekordhöhe.

Von allen Nachbarländern kann man nur in Slowenien und in der Schweiz Diesel billiger tanken als bei uns, bei Superbenzin sind Österreich, Slowenien und die Schweiz die billigsten Länder dieser Gruppe. Spitzenreiter in Europa ist Norwegen, wo der Liter Super Ende März 2,05 Euro kostete und damit und rund ein Drittel mehr als in Österreich.

Über 100 Prozent Steueraufschlag

Ohne die hohe Steuerbelastung wäre Österreich mit Irland, Rumänien und Großbritannien in der Gruppe der Länder mit den billigsten Treibstoffen. Laut dem vom Wirtschaftsministerium veröffentlichten Treibstoffpreismonitor kostete ein Liter Eurosuper 95 Ende März netto 0,717 Euro, mit den daraufgeschlagenen Steuern von mehr als 100 Prozent waren es 1,491 Euro.

Die Mineralölsteuer wurde zuletzt Anfang 2011 erhöht. Sie beträgt derzeit 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel, die Einnahmen fließen ins allgemeine Bundesbudget. Das war aber nicht immer so: Bis 1987 waren die Einnahmen aus der Mineralölsteuer für das Bundesstraßennetz zweckgebunden.

Da sich der Spritpreis in Österreich zu mehr als der Hälfte aus Steuern zusammensetzt, wirft BZÖ-Energiesprecher Rainer Widmann Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) deshalb „Mitschuld am Spritpreiswucher“ vor - Wucherei ist ein Strafdelikt, das in Österreich mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden kann. (tt.com, OTS, dpa)


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