Umplanungen legen Vertrag auf Eis

Ein Rahmenvertrag zum Brennerbasistunnel soll der Stadt Innsbruck ein Mitspracherecht sichern. Der geplante Verzicht auf den Unterflurtunnel bei der „Einfahrt Innsbruck“ sorgt nun aber für Verstimmung.

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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Der Brennerbasistunnel (BBT) sowie die hierfür notwendigen Bauarbeiten und Baustelleneinrichtungen werden das Landschaftsbild in und um Innsbruck prägen. Auch aus diesem Grund will die Stadt ein größeres Mitspracherecht bei den geplanten Maßnahmen mit der Brennerbasistunnel-Gesellschaft (BBT SE) erreichen. Ein bereits ausgearbeiteter Rahmenvertrag soll dies auf 18 Seiten regeln. Selbiger lag kürzlich dem Stadtsenat zur Beschlussfassung vor. Und wurde vorerst doch auf Eis gelegt.

Stießen die Mitglieder bei Durchsicht des Vertrags auf eine doch für viele überraschende Stelle. Daraus hervor geht eine gravierende Umplanung der Trassenführung Richtung Süden. Die bereits behördlich genehmigte Variante sah Folgendes vor (siehe Infografik): Bau eines Unterflurtunnels mit zwei Einfahrtsgleisen (je eines vom Haupt- und eines vom Frachtenbahnhof) zwischen der bestehenden Brennerbahnstrecke und dem Kloster Wilten bzw. dem Kulturgasthof Bierstindl. Die Trasse hätte in weiterer Folge unter dem Bergisel durch nach Süden die Sill unterqueren sollen. In die Gegenrichtung sollte die Basistunnelröhre am Abhang des Viller Bergs enden, die Sill via eingehauster Brücke überqueren, entlang des West­ufers in zwei kurzen Brücken bis auf Höhe des Bergiseltunnel-Portals der Brennerbahn führen und dort in das bestehende Richtungsgleis nach Innsbruck einmünden.

Die neue Variante der „Einfahrt Innsbruck“ ist wie folgt geplant: zweigleisige, offene Führung durch die Sillschlucht über eine nicht eingehauste Brücke am Abhang des Viller Bergs, gefolgt von einem kurzen zweiröhrigen Vortunnel. In Richtung Nordportal des Bergiseltunnels geht es via zweigleisiger Hangbrücke, wo beide Strecken (Basistunnel/Brennerbahn) zu einer dreigleisigen verbunden werden (unterhalb des Tirol Panorama). Von dort soll es oberirdisch über die noch zu verbreiternde Brücke über Autobahn (A 12), Straßenbahn (Linie 6) und Klostergasse, zwischen Stift Wilten und Bartlmä vorbei zum Innsbrucker Hauptbahnhof gehen.

Die Frage, ob diese tunnellose Variante zur Genehmigung eingereicht wird, werde sich im Oktober entscheiden, heißt es im Vertrag. BBT-Vorstand Konrad Bergmeister bestätigt die Umplanung gegenüber der TT: „Wir brauchen noch die Zustimmung der ÖBB. Die steht aus.“ Alle nötigen Gutachten (UVP etc.) habe man bereits eingeholt.

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Die Umplanungen selbst hätten mehrere Gründe, sagt Bergmeister. Der anfangs für notwendig angenommene Spurwechsel der Röhren unterm Bergisel sei nach intensiven Verhandlungen mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) entfallen. In Italien herrsche nämlich Linksverkehr (Süd nach Nord), während in Österreich ein Rechtsverkehr gelte. Durch das Einlenken der ÖBB könnten die Züge vom BBT kommend nun aber auch linksgerichtet in den Bahnhof Innsbruck einfahren. Ebenso müsse man bei einem Verzicht auf den Unterflurtunnel im Bereich Klostergasse nicht die in der Nähe angrenzenden Klostermauern des Stifts Wilten teilweise abreißen. Das hätte nämlich wohl im Vorfeld umfangreiche archäologische Grabungen bedingt, werden doch unterhalb der Mauer Spuren aus der Römerzeit vermutet. Oberirdisch könne die Bahntrasse weiter auf ÖBB-Gelände abrücken – die Klostermauer bliebe unberührt.

Nicht unwesentlich für die anvisierte Änderung der eingereichten Trasse dürften aber zwei weitere, handfestere Faktoren sein. So wird in dem Vertrag klar festgehalten, dass der Verzicht auf den Tunnel in diesem Abschnitt die Bauzeit um ein ganzes Jahr auf nur noch zwei Baujahre verkürzen helfe. Finanziell, so Bergmeister, seien die Auswirkungen noch schwer einzuschätzen. Er gehe jedoch von einem Einsparvolumen von „20 bis 30 Millionen Euro“ aus.

Die ÖBB würden derzeit die Vor- und Nachteile evaluieren, sagt Pressesprecher René Zumtobel. Eine eigene Arbeitsgruppe sei eingerichtet worden. Die unterschiedlichen Varianten würden eingehend geprüft. Auch die Frage eines möglicherweise geänderten Höhenunterschieds Richtung Süden durch die offene Streckenführung müsse unter dem Aspekt des Güterzugverkehrs neu beleuchtet werden: „Noch haben wir keine Entscheidung getroffen.“

Das hat auch der Stadtsenat nicht. Die Änderungen sorgten durchaus für Empörung und Verwunderung in der letzten Sitzung. „Der Vertrag wurde deshalb zurückgestellt“, sagt Stadträtin Sonja Pitscheider (Grüne). Bevor die Stadt den Vertrag überhaupt zu unterzeichnen gedenke, verlange man eine Vorstellung des gesamten neuen Projektabschnitts.

„Ein bisschen spanisch“, sagt Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), seien dem Senat die Ausführungen zur neuen Trassenführung schon vorgekommen. „Wir wollen das jetzt prüfen lassen, ob sich daraus Probleme ergeben.“


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