Fluch und Segen: Nachtflug-Verbot am drittgrößten Flughafen Europas

Während Fluglinien das Nachtflugverbot in Frankfurt als großen Rückschlag sehen, atmen die vom Fluglärm betroffenen Menschen auf.

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Frankfurt - Das deutsche Bundesverwaltungsgericht hat Nachtflüge am Frankfurter Flughafen untersagt. Die 17 vom Land Hessen genehmigten Flüge zwischen 23 Uhr und 5 Uhr seien nicht erlaubt, erklärte der Vorsitzende Richter Rüdiger Rubel am Mittwoch.

Auf den größten deutschen Flughafen in Frankfurt kommt nun ein dauerhaftes Nachtflugverbot zu. Schon der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatte die vorgesehene Regelung für Nachtflüge in Frankfurt beanstandet. Er wurde nun vom obersten deutschen Verwaltungsgericht bestätigt. Hessen muss jetzt den Planfeststellungsbeschluss, eine Art Baugenehmigung für den Ausbau des Flughafens von drei auf vier Bahnen, nachbessern.

„Guter Tag für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet“

Die hessische Landesregierung hatte bereits vor dem Urteil angekündigt, auch ein komplettes Nachtflugverbot umsetzen zu wollen, wenn dies rechtlich möglich sei. Derzeit gilt noch ein vorläufiges Nachtflugverbot, das der VGH in Kassel zur Inbetriebnahme der neuen Landebahn im vergangenen Oktober verhängt hatte.

Auch das Nachbarland Rheinland-Pfalz begrüßte das Urteil: „Das ist ein guter Tag für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet. Das Gericht hat anerkannt, dass der unerträgliche Lärm für viele nicht mehr hinzunehmen ist“, erklärte Jürgen Häfner, Staatssekretär im Innenministerium, der das Land bei der Urteilsverkündung vertrat.

Lufthansa-Chef: „Werden im Wettbewerb zurückfallen“

Die AUA-Mutter Lufthansa hat das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen hingegen als schweren Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland kritisiert. „Es besteht kein Zweifel, dass eines der größten Drehkreuze Europas im internationalen Wettbewerb zurückfallen wird“, erklärte Lufthansa-Chef Christoph Franz am Mittwoch.

Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des Frankfurter Flughafens und der Fluggesellschaften machte sich auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. „Damit verschlechtern sich die Entwicklungsmöglichkeiten in Frankfurt deutlich gegenüber den wichtigsten Konkurrenten in Europa und Nahost. In Amsterdam, Paris, London oder Dubai gibt es solche Beschränkungen nicht“, kommentierte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch das Urteil.

Drittgrößter Flughafen Europas

Der Flughafen Frankfurt ist Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr und der drittgrößte Flughafen in Europa. Im aktuellen Sommerflugplan werden pro Woche 4630 Passagierflüge abgewickelt, angeflogen werden 304 Ziele in 108 Ländern. Hinzu kommen wöchentlich 235 reine Frachtflüge.

Der Betreiber Fraport zählte im vergangenen Jahr 487.162 Starts und Landungen sowie 56,44 Millionen Passagiere. Mit der neuen Landebahn Nordwest, der vierten Bahn, werden bis zu 700.000 Starts und Landungen pro Jahr anvisiert. 90 Millionen Passagiere will der Flughafen im Endausbau bewältigen können.

Fraport wird mehrheitlich vom Land Hessen (31,5 Prozent) und der Stadt Frankfurt (20,1 Prozent) beherrscht. Am Flughafen sind mehr als 70.000 Mitarbeiter beschäftigt.


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