Worte für schwere Stunden, Symbole für sanften Trost

Trauerredner und Ritualbegleiter helfen auf einfühlsame Weise, den Abschied von Verstorbenen stimmig zu gestalten.

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Von Stefan Bradl

Innsbruck –Tirol ist wie andere Gesellschaften auch im Wandel, und das im Leben wie beim Tod. Für den Innsbrucker Bestatter Martin Müller zeigt sich diese Veränderung auch darin, dass immer häufiger nach einem Trauerredner gefragt wird, wenn er mit Hinterbliebenen den Abschied ihres Verstorbenen bespricht. „Ich schätze, dass bei einem Viertel der rund 1200 Verabschiedungen in Innsbruck im Jahr ein spezieller Redner mitwirkt, und diese Tendenz ist stark steigend.“ Das hat manchmal mit der Distanz zu den kirchlichen Traditionen zu tun, spiegelt aber auch den Wunsch wider, das Leben des Verstorbenen noch einmal würdig in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb bemüht sich Müller stets, ein möglichst rundes Bild von dem Verstorbenen zu zeichnen. „Im Prozess der Bestattung erfahre ich schon viel von den Angehörigen. Meist bitte ich sie zusätzlich, in einer ruhigen Stunde aufzuschreiben, was die Begräbnisbesucher erfahren sollen.“ Eine solche Aufgabe helfe auch den Hinterbliebenen, ihre Gefühle für einen Moment ordnen zu können.

Bei der Ansprache sei die Balance zwischen Distanz und Mitgefühl wichtig. Einerseits sollte die Rede die Trauergäste emotional berühren, andererseits erwarteten die Angehörigen eine bestimmte nüchterne Professionalität, die in ihrem Kummer hilft.

Entlastung durch einen stimmigen Abschied, der die erste Bewältigung des Verlusts erleichtert, das möchte auch Christine Pernlochner ermöglichen. Die studierte Philosophin ist seit 2007 Bestatterin und hat sich zudem zur Ritual-Leiterin weitergebildet: „Ich helfe Hinterbliebenen, ihre ganz individuelle Abschiedszeremonie zu gestalten, wenn kein oder kaum Bezug zu den religiösen Traditionen da ist.“

Dabei stellt Pernlochner mit Gesten, Symbolen und Handlungen einen letzten direkten Bezug zwischen den Toten und den Lebenden her. Das kann ein Kreis aller Trauergäste um den Sarg herum sein oder das Mitgeben von Briefen. „Wenn Menschen aktiv in ein Ritual eingebunden sind, erleichtert ihnen das, ihren Schock und ihren Schmerz zu verarbeiten.“

Gleichzeitig gelte es natürlich sicherzugehen, dass die Abschiedssituation niemanden überfordere. „Einfühlungsvermögen ist für eine Ritual-Leiterin ganz essentiell, sie muss auch erkennen, wann eine Situation zu kippen droht.“ Die Ausarbeitung einer Verabschiedung verlangt neben Feingefühl auch ausreichend Fantasie. „Jedes Leben ist individuell. Daher sollte eine Ritualbegleiterin immer Ideen haben, wie diese Einzigartigkeit gewürdigt werden kann.“ So könne aus einer Trauerstunde eine tröstende Zeremonie werden.


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