„Tankparadies“ Venezuela: Auto voll für einen Euro

Österreichische Autofahrer stöhnen unter den höchsten Benzinpreisen der Geschichte. Nicht so in Venezuela: Wer dort mit seinem Auto an die Zapfsäule fährt, verlässt die Tankstelle wohl meist mit einem breiten Grinsen. Das Land hat die billigsten Spritpreise der Welt. Möglich macht‘s der Staat.

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Caracas – Zumindest für Autofahrer ist Venezuela ein wahres Paradies. Die sozialistische Regierung von Hugo Chávez sorgt an den Tankstellen des fünftgrößten Ölexportlandes der Welt für gute Stimmung, denn der Liter Benzin kostet umgerechnet und großzügig aufgerundet nur 0,02 Euro (in Worten: Null-Komma-Null-Zwei-Euro). Da wird auch ein normaler Autotank locker für einen Euro voll. Motorradfahrer können auch schon mal ohne Bezahlen losfahren. Denn eine Rechnung von 10 oder 20 Euro-Cent für eine kleine Mopedtankfüllung lohnt fast der Mühe nicht.

90 Prozent Subvention: „Wohltat fürs Volk“

Doch was österreichischen Autofahrern als „Tankparadies“ erscheinen mag, wird vom venezolanischen Staat teuer subventioniert und zwar mit über 90 Prozent. Der Preis deckt nur einen Bruchteil der Herstellungskosten. Doch Chávez sieht in den seit mehr als 13 Jahren geltenden Niedrig-Sprit-Preisen eine Wohltat fürs Volk, von der aber vor allem große Autos oder auch sehr alte Schlitten mit sechs oder acht Zylindern und Riesen-Hubraum von drei bis vier Litern profitieren. Bei dem Spottpreis ist es fast egal, ob der Motor 10, 20 oder 25 Liter auf 100 Kilometer schluckt. Vorfahrt für den Umweltschutz? Fehlanzeige.

Allerdings sind die Subventionskosten enorm. Allein der staatliche Öl-Konzern PDVSA verzichtet dadurch jährlich auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar, wie Erdöl- und Bergbauminister Rafael Ramírez im vorigen Jahr bekanntgab. Die Gesamtkosten für die Subventionen liegen nach unterschiedlichen Schätzungen aber deutlich höher zwischen sieben bis 12 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Doch in der Konsequenz kann Ramírez, der auch PDVSA-Präsident ist, zu recht sagen: „Das venezolanische Benzin ist das billigste der Welt.“

Ein Drittel des BIP aus Erdöleinnahmen

Zwar mahnt die Regierung die Venezolaner immer wieder mal zum Sprit- und damit Subventionssparen. Und auch gasbetriebene Autos werden angepriesen – aber bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Für die Wirtschaft des OPEC-Landes Venezuela sind die Ölressourcen ein Schlüssel. Über 90 Prozent der Exporterlöse Venezuelas stammen aus Ölexporten. Zudem wird rund ein Drittel des Bruttosozialprodukts aus den Erdöleinnahmen generiert, die über 50 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen. (dpa)

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