Die Rekordjäger Tirols

Die Spritpreise sind derzeit rekordverdächtig und lassen den Ärger vieler Tiroler hochkochen. Aber es gibt auch viele Rekorde im Land, die einen einfach nur staunen lassen. Die TT präsentiert zwölf davon.

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1. Das höchstgelegene Restaurant in Tirol. Zum Glück führt auf das höchstgelegene Restaurant in Tirol eine Bahn, denn sonst müsste man einen langen Fußmarsch absolvieren, bevor man sich am Tisch niederlassen kann. Das Bergrestaurant Jochdohle im Stubaier Gletscherskigebiet liegt nämlich auf 3150 Metern. Bald kann sich diesen Titel aber jemand anderer an seine Fahnen heften: Am Pitztaler Gletscher wird derzeit zwar noch fleißig gebaut. Ab Herbst soll laut Gletscherbahnen-Sprecher Stefan Richter das „Cafe 3440“ seine Pforten öffnen – wobei der Name schon alles sagt. Das Lokal befindet sich nämlich auf einer Höhe von 3440 Metern – hoffentlich wird da keiner höhenkrank.

2. Das Skigebiet mit den meisten Pistenkilometern. Die vielen Skiorte in Tirol werben mit ihren zahlreichen Pistenkilometern, die Touristen ins Skigebiet locken sollen. Aber welches Skigebiet hat nun wirklich die meisten Pistenkilometer? Nach eigenen Angaben geht dieser Titel an das Skigebiet „Wilder Kaiser-Brixental“. Mit 279 Pistenkilometern liegt die Skiwelt ganz vorne. Die Orte Brixen im Thale, Ellmau, Going, Hopfgarten, Itter, Kelchsau, Scheffau, Söll und Westendorf liegen direkt am Skigebiet und gehören zum größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs.

3. Der kälteste Badesee. Ein Widerspruch in sich? Man dürfte meinen, dass ein Tiroler See, der im Sommer die Temperaturgrenze von 18 Grad kaum überschreitet, keine Badegäste anlockt. Aber dass sich manche Wasserratten davor nicht abschrecken lassen, beweisen der Heiterwanger See und der benachbarte Plansee in Reutte, die miteinander verbunden sind. Denn dort suchen im Sommer durchaus ein paar Wanderer die Abkühlung.

Peter Zaderer von der Tiroler Wasserökologie konnte bereits mehrfach Schwimmer beobachten, die den Sprung in die kalten Seen gewagt haben. Der Heiterwanger See und der Plansee gelten somit als kälteste Badeseen in Tirol. Konkurrenz macht den beiden Bergseen höchstens der Achensee, der im Hochsommer auch eine Wassertemperatur von etwa 20 Grad erreichen kann.

4. Die kleinsten Volksschulklassen. Drei Schüler pro Klasse sind nicht unbedingt das Ergebnis einer Grippewelle – in zwei Tiroler Volksschulklassen sind nur drei Schüler Standard. Alexander Heiß von der Tiroler Landesregierung kennt die beiden Orte, die Kleinstschulen betreiben: „Die eine ist die Volksschule in Hof in Hopfgarten in Defereggen. Die andere ist die Volksschule Rifenal in Zams.“ Dieses Jahr sei die Schülerzahl in beiden Schulen erstmals unter fünf gesunken. Diese Entwicklung überrascht Heiß nicht: „Seit Jahren ist ein Schülerrückgang zu verzeichnen. Im Tiroler Pflichtschulbereich werden 15 Prozent weniger Schüler unterrichtet als noch vor zehn Jahren.“

5. Der Bezirk mit den meisten Gewinnerinnen bei einer Miss-Tirol-Wahl. Wo wohnen die meisten hübschen Frauen Tirols? Helmut Gruber, Veranstalter der „Miss Tirol“-Wahl, muss es wissen: „In den knapp 40 Jahren, seit die schönsten Einheimischen gekürt werden, hatten wir zahlreiche Siegerinnen vom Außerfern bis nach Kitzbühel. Die meisten Missen Tirols stammen aber aus der Landeshauptstadt Innsbruck.“ Die amtierende Miss Tirol, die 16-jährige Schülerin Lisa Höck, kommt aus Kitzbühel.

6. Der Besitzer der meisten Hennen in Tirol. Zu Ostern stellt sich naturgemäß die Frage, wer in Tirol die meisten Hennen besitzt – und sich damit täglich über die meisten frischgelegten Eier freuen kann. Dieser Titel geht an Hermann Huber, Obmann des Geflügelwirtschaftsverbandes Tirol, in Mariastein. Er nennt rund 9000 Hennen sein Eigen, die pro Tag rund 7000 bis 8000 Eier legen.

7. Das höchste Bauwerk Tirols. Es gibt ja für alles Statistiken. Die höchsten Bauwerke Tirols hat es aber bislang offenbar noch niemand Wert gefunden, in einem Ranking zu erfassen. In einem Österreichvergleich auf Wikipedia ragt nichts aus Tirol über die Europabrücke hinaus. Das leuchtet ein. 192 Meter liegen immerhin zwischen der Autobahntrasse und der darunter fließenden Sill.

Aber ist der Koloss damit das höchste Bauwerk Tirols? Eine Frage, die sich weder der Autobahnbetreiber Asfinag, noch verschiedenste Uni-Experten oder die Landesbaudirektion eindeutig mit Ja zu beantworten wagen. Nur einer traut sich: Rupert Hirner, der die Bungee-Jumps von der Europabrücke organisiert: „Wenn sich etwas Höheres zum Runterspringen eignen würde, wüsste ich das.“ Haarscharf auf Platz zwei landet übrigens die Talsperre Zillergründl. „Das ist mit 186 Metern die höchste Staumauer Tirols“, so Verbund-Sprecher Wolfgang Syrowatka.

8. Der nördlichst gelegene Ort in Tirol. Als Tiroler

„Nordlichter“ könnte man die Einwohner der Gemeinde Erl bezeichnen. Denn Erl ist jener Ort, der am nördlichsten von allen Tiroler Gemeinden liegt. Bekannt ist Erl vor allem wegen der Passionsspiele, die im Jahr 2013 übrigens ihr 400-Jahr-Jubiläum feiern. Der „Gegenpol“ von Erl – also der südlichste Ort in Tirol – ist nach Angaben des statistischen Handbuches Tirol die Gemeinde Obertilliach. Nicht zu vergessen: Die Gemeinde Galtür liegt am westlichsten in Tirol, der östlichste Ort ist die Gemeinde Nikolsdorf.

9. Die Tiroler Kirche, in der am häufigsten geheiratet wird. Die Kirche, in der die Hochzeitsglocken am häufigsten läuten, dürfte die Schlosskapelle am Innsbrucker Mentlberg sein. Das sagt zumindest Michael Gstaltmeyr, Pressesprecher der Diö­zese Innsbruck. Statistiken gibt es dazu keine, aber aus Erfahrung weiß er, dass die Schlosskapelle am Mentlberg durch ihre Lage und ihre Einzigartigkeit eine beliebte Hochzeitskirche geworden ist. Auch zwei Kirchen und eine Kapelle in Gnadenwald sind bei heiratswilligen Paaren sehr begehrt.

Antonia Erhart von der Statistik Tirol hat aber noch mehr interessante Details zu Tiroler Eheschließungen verraten: Die kürzeste Ehe in Tirol dauerte demnach gerade einmal 49 Tage, bevor man wieder zum Scheidungsrichter schritt. Und er konnte es gar nicht erwarten: Ein Tiroler trat fünf Monate vor seinem 18. Wiegenfest vor das Standesamt – war somit der jüngste Tiroler Bräutigam der jüngeren Geschichte. Der älteste Tiroler Bräutigam des Jahres 2010 lebte zum Vermählungstermin schon 93,5 Jahre. Die Liebe kennt eben kein Alter.

10. Der oder die älteste Tirolerin. Stolze 104 Jahre hat der älteste Mann in Tirol auf dem Buckel (Stand 1.1.2012). Das Kerzenausblasen an seinem Geburtstag dürfte wohl einige Zeit in Anspruch nehmen – so auch bei der ältesten Frau Tirols. Mario Stadler von der Tiroler Landesstatistik weiß auch, wie alt die älteste Tirolerin ist: nämlich 106 Jahre. Den Wohnort der beiden Urgesteine darf Stadler aus Datenschutzgründen nicht bekannt geben.

11. Tirols außergewöhnlichster Sammler. Radiergummis sind seine Leidenschaft. Im Jahr 2010 waren es 1188 Radiergummis, die Edi Kaniok aus Arzl im Pitztal in einem selbstgebauten Setzkasten hinter Plexiglas bei sich zu Hause gelagert hat. Angefangen hat alles mit der Sammlung seiner Tochter, die in der Volksschule Radiergummis in Schlangenform hortete. Als ihr Interesse nach zwei Jahren verlorenging, hat Kaniok die Sammlung aus etwa 20 Radiergummis nicht weggeworfen, sondern einfach weitergesammelt.

12. Der tiefste Punkt Tirols, an dem je ein Mensch gestanden ist. Mit 475 Metern Seehöhe liegt keine andere Gemeinde in Tirol niedriger als Ebbs. Wer in dem Unterländer Ort in einen Keller steigt, ist trotzdem nicht am tiefsten Punkt angelangt, an dem je ein Mensch im Land der Berge gestanden ist. Der liegt vielmehr bei Oberndorf. „Im Bergbaugebiet Rerobichl führte einst der so genannte Heiliggeistschacht ausgehend von 710 Metern Seehöhe rund 890 Meter in die Tiefe“, weiß der langjährige Landesgeologe Peter Gstrein. Um 1620 wurde somit auf 180 Meter unter dem Meeresspiegel Erz abgebaut. Der Bergbau in dem Gebiet zwischen Kitzbühel und St. Johann wurde 1750 eingestellt. Die 400 Schächte von einst sind heute verschüttet. „Bis 1870 galten sie aber als die tiefsten der Welt“, so Gstrein. (i.r., miho, sam, chw)


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