Nach grausamem Mord: Lebenslange Haft

Ein eingebürgerter Türke soll mit seinen Brüdern wegen eines Streits um Hirtengelder einen grausamen Mord begangen haben. Mittwochnachmittag wurde der 44-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein Schwurgerichtsprozess gegen einen türkischstämmigen Tiroler, der an einem Mord an einem Dorfvorsteher in Ostanatolien beteiligt gewesen sein soll, ging am Mittwoch in Innsbruck in die nächste Runde.

Der 44-Jährige soll laut Anklage bereits im Juni 2006 gemeinsam mit seinen drei Brüdern das mit seiner Familie verfeindete Opfer mit Fleischerbeilen und Messern vorsätzlich getötet haben. Um 17.00 Uhr fiel dann der Wahrspruch der Geschworenen zum angeklagten Mord. Noch während der Verlesung durch den Sprecher der Laienrichter postierten sich zwei Polizeibeamte hinter dem Angeklagten und verhafteten ihn nach dem Urteilsspruch.

Der Schwurgerichtshof verurteilte die Tat mit lebenslanger Haft. Aufgrund dessen beantragte Staatsanwältin Karin Schiffmann die sofortige Festnahme und Verhängung der Untersuchungshaft aus dem Grund der Fluchtgefahr.

Schon zu Prozessbeginn hatte sich der von Verteidiger Paul Delazer Vertretene für nicht schuldig bekannt. Bisherige Prozesstage brachten nur wenig Erkenntnisse. Außer, dass der Angeklagte mittlerweile Pensionist ist und man Zeugen aus der Türkei offenbar rechtsstaatlich nicht dazu bewegen kann, in einem österreichischen Prozess auszusagen.

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Auch ein türkischer Staatsanwalt war übrigens dieser Meinung. Ein 2011 extra über den Dienstweg angereister türkischer Kommissar war zwar mit dem Sachverhalt niemals befasst, verlangte aber 500 Euro für die Mühen und Ersatz für sieben Tage Urlaub. Die Brüder des Angeklagten wurden bereits verurteilt und entschlugen sich der Aussage.

Grund für die Tat: Laut Staatsanwaltschaft habe zwischen einem in der Türkei lebenden Bruder des Angeklagten und dem Dorfvorsteher seit 2005 ein Streit über Hirtengelder bestanden. In weiterer Folge sei es zu Feindseligkeiten, einem Streit und einer Familienfehde gekommen. Der Vater der vier Söhne habe beschlossen, den Dorfvorsteher zu töten. Der 44-Jährige und seine in Deutschland lebenden Brüder reisten laut Anklagebehörde darauf in die Türkei, um dem Willen des Vaters Folge zu leisten. Der Vater wurde jedoch von der Bestimmung zum Mord freigesprochen.

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Verteidigung kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.


Kommentieren


Schlagworte