Millionen für Unterhaus-Luxus

Tirols Gemeinden investieren vermehrt in die Infrastruktur ihrer Fußballplätze. Eben am Achensee und Reutte ließen im vergangenen Winter für sehr viel Geld wahre Schmuckkästchen errichten.

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Von Thomas Mair

Reutte, Eben –Bagger, Gerüste und Bauarbeiter – rund um das Drei-Tannen-Stadion in Reutte herrschte vergangenen Winter für die Errichtung eines modernen Kabinentraktes reges Treiben. „Das alte Gebäude wurde bereits im Oktober abgerissen“, sprach Reuttes sportlicher Leiter, Bernhard Hechenberger, von verschärften Bedingungen am Ende des Herbstdurchgangs: „Wir hatten noch vier Wochen Meisterschaft zu spielen und mussten weiter am Platz trainieren.“

Zum Umziehen und Duschen mussten die UPC-Tirol-Liga-Fußballer allerdings in eine Sporthalle ausweichen, die sich am anderen Ende der Marktgemeinde befindet. Die Unannehmlichkeiten in der Bauphase nahmen die Kicker ohne Murren in Kauf, zumal die Vorfreude auf die neuen modernen Kabinen überwog.

Die Gemeinde lässt sich das Schmuckkästchen im Außerfern auch einiges kosten. Mit einem kolportierten Budget von 950.000 Euro schrammt das Projekt nur knapp an der Millionengrenze vorbei.

Ihre erste Bewährungsprobe hat die neue Anlage bereits hinter sich gebracht. Beim Cupspiel vergangenen Mittwoch gegen Schwaz ging alles geordnet über die Bühne, speziell innen fehlt noch sehr viel. „Wir müssen ein bisschen improvisieren“, erklärt Hechenberger, der sich über den Gastronomiebereich, der von den Spielern eingerichtet wird, und die geräumigen Umkleidekabinen der Spieler und Unparteiischen freut. „Vorher waren die Schiedsrichter arg zusammengepfercht“, weint auch Hechenberger dem alten Gemäuer keine Träne nach.

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Tränen (der Freude) würden die Fußballer des FC Achensee am Ende der Saison gerne vergießen, wenn 30 Jahre nach der Vereinsgründung der Aufstieg in die Bezirksliga glückt. Bereits im Winter wurde die Elf von Trainer Josef Herzog mit einem neuen Kabinentrakt (48 m lang und 7 m breit) in der Buchau belohnt. „Ich denke, die Mannschaft kann die Euphorie um das neue Vereinshaus und den Herbstmeistertitel mitnehmen, um den Aufstieg zu finalisieren“, glaubt Obmann Rainer Hollaus trotz durchwachsener Vorbereitung an die Stärke seiner Mannschaft und hofft, dass der Neubau die Spieler noch mehr anspornt: „Ich hoffe, die Mander wissen, was sie von der Gemeinde bekommen haben.“

Immerhin legte Eben am Achensee 800.000 Euro für die Fußballer auf den Tisch, der Verein selbst musste nur 50.000 bis 60.000 Euro zuschießen. „Die alte Hütte war 30 Jahre alt – und vor allem die sanitären Einrichtungen haben dem Standard nicht mehr entsprochen“, weiß Rainer Hollaus auch um die langfristige Wirkung der verbesserten Infrastruktur. Bereits vor sieben Jahren stand ein neues Klubhaus zur Disposition, der FC Achensee entschied sich damals aber für den Bau eines Kunstrasenplatzes, der schon im Februar ein Training mit Ball garantiert.

„Durch die Euphorie rund um den Kunstrasen haben wir viele Kinder dazubekommen“, erklärt Hollaus, der mit einem weiteren Schub an fußballinteressiertem Nachwuchs am Achensee rechnet. Und die Einweihung Anfang Juni könnte schon zur Aufstiegsfeier umfunktioniert werden.


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